Pauline erhob sich, anscheinend in Verwirrung. Sie spielte so gut wie Leon, nur eifriger als er. Er that's nur, weil er nichts Besseres zu thun hatte – sie, weil ihre Phantasie dadurch ergriffen war. In ihrer Rolle lag es jetzt, verstanden zu haben und auszuweichen; sie sagte leise, es werde kalt hier am See. –

Leon lächelte – es war ein unverschämtes Lächeln. Pauline nahm es nur für bedeutungsvoll. Er bot ihr den Arm. Der große Salève sah aus seiner blauen Höhe über die Bäume des Gartens herein. »Dort hinauf will ich einmal,« sagte der junge Mann. »Waren Sie schon oben?«

Pauline bejahte, setzte hinzu, sie erwarte binnen einigen Tagen Verwandte – mit denen wolle sie abermals hinauf. »O dann –« sagte Leon. Er erwartete eine Einladung; er irrte sich. Pauline kokettirte als Genferin, d. h. mit genauer Beobachtung einer gewissen Scheidelinie. Leon konnte sich ihr Entgegenneigen nicht mit ihrer Zurückhaltung zusammenreimen. Daß er sie interessirte, daß sie jede Bewegung in der Absicht machte, ihm zu gefallen – er sah es – warum lud sie ihn also nicht ein, sie auf den Berg zu begleiten? Ach, jetzt hatte er es errathen – die Verwandten!

»Aber ich glaube, wir sind ganz allein,« sagte Pauline plötzlich.

»Nun gut, was weiter?« fragte Leon, und drückte leise ihren Arm.

Sie schien nicht darauf zu achten, sondern flüsterte mit beredtem Augenniederschlage: »o, es ist hier nicht Sitte, einsame Spaziergänge am Ufer des Sees zu machen.«

Leon führte sie den andern Frauen nach und sagte ziemlich kühl: »sprechen wir von Politik, da wird es unschuldig. Sind Sie noch immer so entsetzlich streng gegen alle arme Demagogen?«

Die junge Frau kam beinah aus der Fassung. »Antworten Sie mir doch,« flüsterte er ihr zu, »man beobachtet uns dort.« Er deutete ihr mit den Augen Madame Hölty an, welche eben die Lyonneser bewillkommnete, dabei aber nicht wenig scharf nach der Seite schielte, von welcher das verspätete Paar kam. Leon fragte wieder laut: »Nun, hat James Fazy immer noch keine Gnade vor Ihren Augen gefunden, Madame?«

»Monsieur Fazy,« rief Pauline, Feuer fangend, mit natürlicher Lebhaftigkeit, »Monsieur Fazy ist eine Canaille.«

»Wenigstens eine Canaille, die Verstand hat,« sprach Leon, etwas betroffen. »Nur so läßt es sich erklären, daß die Conservativen, welche in der Mehrheit sind, ihn dulden.«