»Sind sie allein das?« fragte die Unvorsichtige.
Leon schwieg.
»Trauen Sie uns kein Gefühl zu?« forschte sie dringender.
»Ich achte die Schweizerinnen unbegränzt,« erklärte Leon.
»Warum sollten Sie auch nicht?« gab Herr Hölty dazu.
Pauline ließ sich wirklich reizen. »Ach, aber liebenswürdig sind wir nicht, nicht sentimental, wie – die Deutschen?«
»Die deutsche Dame bei uns ist gar nicht sentimental, sondern sehr vergnügt,« schaltete Herr Hölty wieder ein. »Das Schießen kann sie nicht leiden, sonst ist's eine gute Person.«
Leon benutzte diese Rede und warf in Paulinens Ohr: »Wenn Sie wollten –«
Sie wurde wieder Komödienspielerin, that als zittere sie.
Leon seinerseits ließ sich täuschen, glaubte die junge Frau berückt zu haben, ihrer endlich sicher zu sein. Leise brachte er seine Finger an ihre Hand, berührte diese mit einem Drucke, in den er Willen und unwillkührliche Aufregung zugleich legte. Paulinens Eitelkeit war befriedigt, aber kein Puls ihrer Hand klopfte schneller. Sie war in diesem Augenblicke noch härter und unwahrer als Leon. Er ahnte das nicht; die Eitelkeit, welche sie kühl und sicher machte, verwirrte ihn. Sein Athem streifte glühend Paulinens Wange. »Wenn ich mich nicht getäuscht,« flüsterte er, »wenn Sie für mich –« Pauline lauschte, mit ihren Augen an seinem Munde hängend – der gute Hölty wußte gar nicht, warum die beiden Leute auf einmal so stumm wurden und suchte in seinem Kopfe nach einer Rede, um das Stillschweigen zu unterbrechen. Leon fuhr fort: »Seit vorigem Jahre denke ich nur an Sie, und Sie, Madame –« Pauline blickte nieder wie in tiefer Befangenheit. »O mein Gott, wenn Sie nur einen Gedanken an mich gehabt hätten – wenn ich – wäre es zu dreist, Ihr Schweigen so zu deuten?« Sie schien Etwas murmeln zu wollen. »Sprechen Sie nicht, ich bitte Sie – Sie wissen, was das Schweigen mir sagen soll – ein Gedanke, wie wenig, – für mich die Welt, für Sie – ein Augenblick, welchen Sie der Toilette abgewendet haben, – bin ich nicht bescheiden?«