»Das ist eine curiose Lobrede,« sprach Wladislav kopfschüttelnd, »die haben Sie sich vermuthlich ganz eigens für Sealsfield ›auscalculirt‹.« »Aber,« fuhr er, wieder zu seinem vorherigen Gedanken zurückkehrend, mürrisch fort, »warum, wenn er Deutschland so geringachtet, hat er sich die Mühe gegeben, Deutsch zu lernen? Warum fuhr er nicht in aller Bequemlichkeit fort, Englisch zu schreiben? Bei uns konnt' er ja sicher sein, übersetzt zu werden?«

»Warum haben Sie ihn das nicht gefragt, ehe er gestern abreiste?«

»Ich wollt' es thun, da sah ich einen Regenbogen auf dem Fall, das zerstreute mich.«

»O diese Regenbogen sind hier sehr häufig,« warf ich nachlässig hin.

»Freilich, wenn man vier Wochen am Rheinfall sitzt, ist's das Wenigste was man gewinnt, so von den Regenbogen auf ihm reden zu können. Es ärgert mich – ich möchte Sie entführen und mit Gewalt nach Deutschland zurückbringen. Daß Sie nicht schon an der bloßen Sehnsucht nach Musik verschmachten, bei der Unmöglichkeit, ein gutes Piano zu finden, und bei der zweiten Unmöglichkeit, selbst das schlechte Piano ohne horrende Kosten gestimmt zu kriegen!«

»Herr Weber wird nächstes Frühjahr ein gutes Piano kaufen.«

»Auf welchem Sie jetzt schon im Vorgefühl spielen können – sehr genügend! Und dann diese Einsamkeit – das ganze Hotel ist ja schon leer geworden.«

»Schade genug,« sagte ich, »es sollte im Winter benutzt werden so gut wie im Sommer. Diese hohen, großen Zimmer, diese freie Lage in der Gegend, welche es einem mehr und mehr anthut, je länger man sie sieht, die freundliche Familie, welcher es wirklich so Ernst ist –«

Wladislav wollte mich unterbrechen – ich ließ es nicht zu, sondern fuhr fort: »und diese Stille – wirklich, kein Ort ist mehr zu einem Schriftsteller-Einsiedeln geeignet als dieses Hotel.«

»Oder zu einer Schriftsteller-Colonie,« bestätigte Otto.