»Sogar zu einer Schriftsteller-Colonie!«
Wladislav hielt sich die Ohren zu. »Still, wenn Sie Beide erst mit Ihren Extragedanken anfangen, so sind wir den nächsten Augenblick mitten in der willkürlichen Absurdität, und vor der fürchte ich mich, denn man kann sie bei einiger Uebereilung für die Vernunft nehmen. Ich sage Ihnen, alle Schriftsteller-Verbindungen sind unheilsvoll – aus einer jeden wird eine Schule, in jeder Schule herrscht Zwang, und jeder Zwang drückt den Geist, der nur ein Element hat – die Schönheit in der Freiheit. Aber eben so wenig taugt für den Schriftsteller einsiedlerisches Vornehmthun. Im Gedräng soll er sich Bahn brechen, sich an die Ellenbogen stoßen, auf die Füße treten lassen –«
»Da wäre ich Ihnen bei der Tombola auf dem Markusplatze wahrhaft idealisch erschienen, denn gedrängter kann es kein Gedränge geben – man wurde nicht nur gestoßen und getreten, sondern auch gelegentlich etwas entzweigedrückt.«
»Werden Sie denn ernsthafte Dinge nie ernsthaft behandeln lernen, oder zu behandeln die Gnade haben?« fragte Wladislav mit dem Uebersehen des Mannes, des durch die Gymnasialklassen geläuterten und in den verschiedenen Collegien verschiedener Universitäten vollendeten Mannes. »Was ich meine und was Ihnen auch Sealsfield sagte – wenn Sie auf Ihr Vaterland wirken wollen, so müssen Sie in und mit Ihrem Volke leben.«
»Ja,« sagte ich geängstigt, »wenn nur die unglückliche Zweiheit in meiner Natur nicht wäre! Intellectuell bedarf ich Deutschlands, physisch der Sonne, folglich des fernsten Südens oder des Orients, denn das werden Sie mir doch eingestehen – die Sonne scheint in Deutschland nicht recht.«
»Scheint sie hier in Schaffhausen mehr?«
»Wenigstens eben so viel wie anderswo in der Schweiz.«
»Ja,« sprach Otto, der es bei Wladislav immer darauf anlegte, mit ganz ungehörigen Dingen dazwischen zu kommen, »ich finde, man thäte viel gescheidter, sich hier in Pension zu geben, als im Waadtlande, wenigstens die letzten Herbst- und die ersten Frühlingsmonate. Veranlassen Sie doch recht viel Landsleute dazu – wir wollen's auch thun.«
»Man soll sich gar nicht in Pension geben,« schrie Wladislav ungeduldig, »das ist eine moderne Albernheit. Man soll entweder vernünftig zu Hause bleiben oder ordentlich reisen, aber nicht wie Sie sich immer zehn oder zwanzig Meilen weiter von einem Schreibtisch an den andern schieben.«
»Sie haben klug reden,« rief ich, auch ungeduldig. »Wenn man nun kein eigen Haus hat und von zehntausend Hindernissen im ordentlichen Reisen gehemmt wird?«