»Die stille Hütte« lag etwa noch eine Stunde hinter der Pietro's. Gegen elf ungefähr kam ich an, – allein, denn Pietro sollte mich nicht begleiten, hatte die Dame gesagt. Aber wenn gleich der Herr nicht, der Hund lief mit mir – Tiger wäre nicht zurückzuhalten gewesen, sobald er mich sah. Mit Tiger langte ich demnach bei der Freiin von S. an, welche sich in einer so ungewöhnlichen Wohnung und in einer so unglaublichen Lage befand.
Ich war etwas entfernt vom Hause abgestiegen, doch mußte sie mich gehört haben, denn sie öffnete die Thür, noch ehe ich davor war. Pietro hatte Recht – die Frau mußte schön gewesen sein. Sie hatte eines jener Profile, die unzerstörbar sind, weil sie klassisch sind. Ihre Haltung war graziös – etwas Magdalene darin, aber auch noch viel Hochmuth. Die Frau gefiel mir eben so wenig als ihr Brief.
Unsere Begrüßung war die sonderbarste und lächerlichste für den Ort und die Umstände, gerade weil sie an jedem andern Ort und unter allen andern Umständen die alltägliche gewesen wäre.
Ich sagte: »Ich habe die Ehre –«
Sie antwortete, mir die Thür zeigend: »Darf ich bitten.«
Ich folgte ihr – den Esel hatte ich angebunden – Tiger folgte mir.
»Was haben Sie da für einen eigenen Hund, Herr Graf«, sagte sie im natürlichsten Tone.
»Verzeihung, meine Gnädige«, rief ich und stieß Tiger hinaus.
Als ich zurückkam, bot sie mir einen Schemel an. Ich setzte mich und überreichte ihr meine Karte. Sie las meinen Namen, »Gott!« rief sie, und gerieth in Aufregung, »dieser Name! Ich kannte Ihre Familie, wenn Sie aus Berlin sind?«
»Und Sie, gnädigste Frau, entflohen vor zwanzig Jahren mit – –« ich schämte mich fortzufahren.