Sie lächelte bitter: »Ja, es war vor zwanzig Jahren einmal Mode, daß vornehme Frauen mit Candidaten – entflohen, wenn Sie die Güte haben wollen, es so zu nennen. Ich nenn' es anders. Hoffentlich ist mein Geschlecht wenigstens von dieser Thorheit zurückgekommen?«

»Ja, gnädige Frau, die Candidaten sind jetzt ungefährlich. Sie verloben sich, ehe sie Hauslehrer werden.«

»Tant mieux, tant mieux,« sagte sie nachlässig. Plötzlich faßte sie mich scharf und energisch ins Auge und sprach mit Lebhaftigkeit: »Ich sehe, daß ich Ihnen keine Theilnahme einflöße. Auch begehr' ich keine, aber Hülfe fordere ich. Wollen Sie mir die versprechen?«

»Wozu?« fragte ich mißtrauisch.

»Wozu?« wiederholte sie spöttisch. »Fürchten Sie, ich wolle Sie zu einer Rolle in einem Trauerspiele dingen? Wozu anders, als mir zu helfen, daß ich von dem Menschen loskomme.«

»So sprechen Sie von Demjenigen, um dessenwillen Sie Alles verlassen haben, sogar Ihre zwei Kinder?« fragte ich mit Ironie.

»Wenn ich nicht um seinetwillen meine Kinder verlassen hätte, würde ich wahrscheinlich anders von ihm sprechen,« sagte sie rauh. »Glauben Sie mir, wir verzeihen es einem Manne nicht, ihm Alles geopfert zu haben.«

»Haben wir denn Zeit, ein solches Gespräch zu führen, gnädige Frau?«

»Ja. Er ist nach Gruyères hinüber, kommt erst heute Abend wieder.«

»So läßt er Sie denn doch allein?«