»Weil er mir vertraut.«
»Wie es scheint, etwas zu sehr,« bemerkte ich.
»Er glaubt, daß ich ihn noch liebe,« sprach sie verächtlich. »Ihn noch lieben nach zwanzig Jahren der Entbehrung, der Erniedrigung, besonders nach den letzten Jahren, die ich hier zugebracht! Es gehört eine Eitelkeit wie die seine dazu, um das glauben zu können.«
»Verzeihung,« sprach ich ernst, »ich glaubte bisher immer, Nichts verkettete so unauflöslich wie gebrachte Opfer, gemeinschaftliche Entbehrungen.«
»Phrasen«, erwiederte sie mit ungeduldiger Bewegung. »Bringen Sie z. B. ein Mal einer Frau Ihre ganze Carriere zum Opfer –«
»Ich habe keine Carriere.«
»Oder Ihre Ehre.«
»Das thäte ich nicht.«
»Dergestalt, daß Sie nie Etwas aufopfern würden? Dann können Sie mich freilich nicht begreifen.«
»Ich würde um einer Geliebten willen Alles aufgeben, was ein Mann aufgeben darf – alles Persönliche außer der Ehre, Alles sonst, außer dem Vaterlande. Und wenn ich es gethan, würde ich wo möglich noch mehr lieben, was auch logisch wäre; denn wie theuer muß uns nicht ein Wesen sein, welches wir mit der Totalsumme unserer Existenz erkauft haben?«