»Gnädige Frau, Sie sind immer die Mutter.«

»Die Mutter soll ein Vorbild und keine Schande sein.«

Sie mochte in meinen Augen gelesen haben; denn sie fragte: »Sie meinen, das sei ich schon? Gut, doch bin ich dann wenigstens nur eine vergangene, halbvergessene. Eine gegenwärtige, aufgefrischte mag ich nicht werden.«

»Wollen Sie denn Ihre Tochter nie wiedersehen?«

»Hab' ich das Recht dazu? Ich richte mich, Graf, ich weiß, was ich verdiene und was nicht. Doch Sie sprechen immer nur von meiner Tochter – mein Sohn –«

»Ihr Sohn ist todt, gnädige Frau.«

Sie bebte innerlich zusammen; dann sagte sie leise: »Für mich war er ja schon lange todt. Wie war er?« setzte sie fast bittend hinzu.

»Liebenswürdig und gut.«

»Aber nicht bedeutend? Ja, das erkannte ich schon damals; nur sein Vater wollte durchaus ein Genie in ihm sehen.« Sie war wehmüthig geworden.

»Der Baron, gnädige Frau –« sagte ich zögernd.