»Es klingt so und ist's doch nicht. Glauben Sie, daß ich ihm etwas Anderes bin, als ein stündlicher Vorwurf? daß ich in meinem Herzen etwas Anderes für ihn finde, als Abscheu, besonders seit – Sie haben mich noch nicht gefragt, warum ich hier bin. Wollen Sie es hören?«
»Wozu?« fragte ich wieder.
»Genügt es Ihnen, daß wir unglücklich und strafbar sind?«
»Vollkommen. Es bedarf bei mir keines andern Empfehlungsbriefes; denn ich kann auch unglücklich und strafbar werden.«
»Auf die Manier wie Herr W. nicht. Dazu kenne ich Sie jetzt schon genug, um das zu wissen. Wollen Sie mir die Hand geben?«
Ich that's und sagte: »Verlassen Sie ihn nicht.«
»Ach!« rief sie, mir die Hand entziehend und sich von mir wendend.
»Sie machen eine Schuld durch eine andere nicht gut. Und wenn er Sie liebt. Vielleicht hat er um Ihretwillen auch Alles verlassen –«
»Das Alles des Herrn W!« sagte sie lachend.
»Verzeihung,« sprach ich ernster als bisher; »das bleibt sich gleich. Wer Alles giebt, der giebt Alles, und mag sein Alles sich in einer hohlen Hand verschließen lassen.«