Sie war in Zerstreuung gefallen. Plötzlich fuhr sie auf und sagte lebhaft zu mir: »Sonderbar, daß ich mitten in dieser Misère nie daran gedacht habe, mir das Leben zu nehmen. Das beweist – Feigheit oder Kraft.«

»Ich traue Ihnen Kraft zu,« sagte ich. »Wenden Sie sie nur zum Guten an.«

»Das heißt werden Sie nachträglich die ehr- und tugendsame Ehefrau des Herrn W.«

Dieser Hohn empörte mich. »Wenn Sie es vorziehen, nur seine Maitresse gewesen zu sein – ich habe Nichts dagegen.«

Sie maß mich. »Spricht man jetzt so in guter Gesellschaft?«

»Nein,« erwiederte ich, »aber in schlechter.«

Ich war wüthend auf diese Frau, die gefallen, schlecht, und meiner bedürftig wie nur je ein Wesen des andern sein kann, mir doch trotzte und wie! – Moralisch. Denn ich hatte Recht. Was konnte sie mehr hoffen, als noch ein Mal eine Gattin zu werden, noch ein Mal in eine Gesellschaft zurückkehren zu dürfen? Wenn W., wie ich mir vorstellen konnte, wegen einer infamirenden Schuld sich hier verborgen hatte – ich wollte ihm ja Mittel bieten, sich wieder rehabilitiren zu können. Meine Kasse würde etwas darunter leiden, das sah ich mit ziemlicher Bekümmerniß, indessen, ich wollte mich gern einschränken, um meine Don Quixoterieen wieder einzubringen, nur diese Trennung zwischen zwei Menschen, die so lange Sünde und Noth mit einander getheilt, kam mir unsittlich, ja, förmlich barbarisch vor.

Sie war meinen Ueberlegungen auf meinem Gesichte gefolgt und sagte jetzt unendlich moquant: »Sie rechnen, ob es Ihnen nicht zu theuer kommen könnte, mir zu helfen.«

Erzürnt sprang ich auf. »Gnädige Frau, wenn Sie wollen, daß ich gern thun soll, was ich thun will und thun werde, so beschimpfen Sie mich nicht.«

»Beschimpften Sie mich nicht?« erwiederte sie kaltblütig. »Ich habe nie eine Beleidigung angenommen, ohne eine wiederzugeben.«