»Nein, Sie passen nicht zu Ihrer Tochter,« sagte ich gedankenvoll, fast traurig. Ich hatte jene junge Frau wahrhaft lieb – sie war ganz Strenge in ihren Grundsätzen, Milde in ihren Gesinnungen. Wie konnte sie die Tochter einer solchen Mutter sein?

»Waren Sie immer so, wie Sie jetzt sind?« fragte ich die Baronin.

»Den Anlagen nach, gewiß,« erwiederte sie gleichgültig. »Das Leben entwickelt nur was in uns ist.«

»Ich glaube das nicht. Ich glaube – kennen Sie die Geheimnisse von Paris?«

»Wann erschienen?«

»Vielleicht vor fünf oder sechs Jahren.«

»Also nach der Zeit, wo ich noch las. Nein, ich kenne sie nicht, aber was wollen Sie mit diesen Geheimnissen?«

Statt der Antwort fragte ich: »Sechs Jahre sind Sie schon hier?«

»D'rüber,« antwortete sie ruhig.

»Aber, guter Gott, wie haben Sie denn gelebt?«