„Wie kann man fragen? Der Idee der Freiheit!“
„Esterhazys Armee soll in der Bergstraße stehen,“ sagte Huber sanft, „dies dürfte die Stoßkraft dämpfen.“
„So? Und wenn die Sansculotten morgen vor unsern Toren stehn? Was nützen uns da die Esterhazys in der Bergstraße? Sollen uns unsere dreihundert Mainzer und Weilburger Kerls verteidigen? O Gott, o Gott! O Gott, o Gott! Eine Festung wie Mainz und bei solchen Zeitläuften von Truppen evacuiert! Ist es zu glauben?“ Sömmerring rang buchstäblich die Hände.
„Frankfurt schickt Sukkurs.“
„Wie unterrichtet Sie sind! Dann lassen Sie sich nur sagen und erzählen Sie es den Frankfurtern, daß man hier nicht an Verteidigung denkt, gar nicht daran denkt! Eikmeyer ist imstande und geht Custine mit den Schlüsseln der Festung nach Weisenau entgegen und die Intelligenz der Stadt schreit: Vive la nation!“
„Nun, nun, mein Alter! Und du schreist nicht mit?“
„Oh, hier ist nichts zu scherzen! Ich wünsche meinen Hausstand nicht während eines Erdbebens zu begründen. Und du bist von Demagogen verführt und hast das Gefühl für Maß und Bürgerwürde eingebüßt, — laß dir es sagen, Freund!“
Sömmerring stand im Begriffe, sich zu verheiraten. George nickte ihm mit schwermütiger Freundlichkeit zu. Seine Hand spielte mit dem kleinen globus terrae aus Kristall, den er wie auch Sömmerring an der Uhrkette trugen, einem rosenkreuzerischen Abzeichen aus der Casseler Zeit. Er zitierte träumerisch die alte Formel: „‚Wenn die Hauptzahl erfüllt sein wird, so wird der Größte der Kleinste und der Herr der Diener seines Dieners und der Knecht seines Knechtes sein … Die Sünden der Profanen werden vor den Augen des Jehova die Wagschale überwerfen und ihr Maß wird voll sein … Ein Hirt und ein Schafstall, ein Herr und ein Knecht — und die Weisen werden gehen auf Rosen aus Eden,‘ — oh, Bruder, war das nicht auf diese Zeit gesagt?“
„Willst du nicht auch wieder anfangen, Tote zu beschwören und den Sternen zu gebieten, ihren Ort zu wechseln? Still, ich will nicht erinnert werden. Der Teufel versucht dich, laß dich warnen und weck den Schwärmer Amadeus nicht auf!“
Forster lächelte wehmütig.