„Sömmerring“, murmelte George, nach der Tür blickend, von einer unerklärlichen Unruhe überschauert, und dachte dabei, diese Tage seien geeignet, einen zum Geisterseher zu machen, immer dächte man, es stünde ein Schicksalsbote draußen oder auch — Huber.
„Da wären wir!“ sagte Sömmerring ein wenig schnaufend, wie er nun im Türrahmen stand, schwarz sich abhebend gegen das Licht des Lämpchens draußen auf dem Flur, „und da bringe ich die wandelnde Hieroglyphe.“ Vollends eintretend ließ er einen hohen, schmalen Schatten hinter sich ins Zimmer gleiten und, — „ja, ich wußte es!“ dachte George, — dies war Huber! Huber, der zögernd in den Lichtkreis des Armleuchters trat, mit hängenden Schultern, den dunklen Blick aus fast weißem Antlitz auf Therese geheftet, die ihn ansah, ja, die ihn ansah und lächelte, George wußte es, — Huber, der nun murmelte: „Ja, — hier bin ich wieder. Ich dachte, ihr könntet meiner bedürfen. Es braucht ja keiner zu wissen. Wem sollte es auffallen? Ich will ein paar Tage verweilen, die Ereignisse abwarten …“
War es möglich, alle diese Dinge zu sagen, als seien sie Zärtlichkeiten? Sömmerring, in seinen gewohnten Armstuhl niedergelassen, sagte mürrisch, indem er seine großen Hände ineinanderrieb: „Was ist da viel abzuwarten? Morgen oder übermorgen sind sie da.“
Huber war in das Dämmer zurückgewichen und lehnte irgendwo an der Wand. Er lachte nervös.
„Fama geht in vieler Gestalt um. Gestern ein Weisenauer Marktweib, heute ein betrunkener Weilheimer Husar. Und der Stephanstürmer stößt ins Horn, die Alarmschüsse knallen, Kriegsrat wird abgehalten und wer ein schlechtes Gewissen gegen die unterdrückte Majestät des Volkes hat, läuft, was er laufen kann. Und Custine ist längst wieder in Landau.“
„Die Stadt ist entvölkert,“ sagte Sömmerring düster, „da!“ Er hob den Finger. Unaufhörliches Wagenrollen kam fernher durch die Nacht.
„Ah bah, — der Adel geht auf Reisen und die Emigranten suchen andere Weideplätze.“ George erhob sich und begann ungeduldig auf und ab zu gehen. „Custine ist nicht wieder in Landau! Warum sollte er auch?“
„Hoffst du, daß er nicht wieder in Landau ist?“ Therese saß, das Kinn in die Hand gestützt, und zog die Augenbrauen hoch.
„Ich hoffe gar nichts. Ich vertraue der Stoßkraft dieser Idee …“
„Welcher Idee?“