„Zusammen weiter leben wie in Mainz …“ wiederholte er langsam und nickte vor sich hin. Dann wandte er sich ins Zimmer zurück. „Und warum sollte das jetzt unmöglich sein?“
„Weil, — ums Himmels willen, Freund, sind Sie denn mit Blindheit geschlagen? — weil Frankfurt morgen oder übermorgen oder meinetwegen in drei Tagen in preußischen Händen sein wird und dann ist Mainz doch auch in wenigen Tagen wieder frei!“
„Frei! Hahaha! Lieber Huber, Sie haben das Wesen der Freiheit begriffen! Sie haben es begriffen!“
„Daß Sie doch bei der Sache bleiben wollten! Man wird Ihnen mit hundert andern den Prozeß machen, Sie einkerkern, füsilieren, was weiß ich. Sie meinen, Sie werden dann mit der französischen Armee ins Innere von Frankreich fliehen, — gut …“
„Sie gehen ja von ganz falschen Voraussetzungen aus. Welche Meinung haben Sie denn von Custine und diesen herrlichen Truppen! Frankfurt wird nicht preußisch werden und Mainz erst recht nicht. Wir haben Kastel befestigt. Wir halten eine zweijährige Belagerung aus.“
Huber ging auf ihn zu, als wollte er ihn bei der Gurgel packen. Nahe vor ihm blieb er mit geballten Fäusten stehn, blickte von unten heraus böse in sein Gesicht, was er zuwege brachte, obgleich er größer war als George, und schrie:
„Und dem allen wollen Sie Ihre Frau aussetzen?“
Gleich darauf faßte er sich, kehrte sich ab und fügte mit schwacher Stimme hinzu: „Und Ihre Kinder …“
George sagte dumpf und blickte niemand an:
„Therese kann ja fliehen.“