„Oh, was beschließt ihr über mich!“

George murmelte: „Wer hat denn schon beschlossen?“

Aber nun erhob sich Brand. Seine große, etwas ungeschlachte Gestalt verdunkelte das eine Fenster völlig, niemand konnte mehr die Gesichter der andern erkennen. Brand redete mit vielen Handbewegungen, redete in seinem ungeschickten Deutsch voll gutmütiger Heftigkeit. Er wollte Mr. Forster in seine Berline packen und nach Italien entführen, kurz und gut. Er habe es auch satt, in Mainz der gentilhomme anglois zu sein, der Spionage verdächtig und unter steter geheimer Überwachung. Er würde aber nicht nach Göttingen gehen wie sein Oheim es wünschte, sondern auf eigene Faust nach Italien, über Mailand und Florenz nach Rom, wenn nur Mr. Forster Vernunft annehmen und mit ihm gehen und die Franzosen to their own damned affairs überlassen wollte! Ehe noch George ein Wort sagen konnte, rief Huber emphatisch: „Dies ist ein Wink der Götter!“

„Und Therese — und meine Kinder?“ murmelte George, die Hand an der Stirn.

„Oh, lassen Sie Ihre Freunde sorgen! Vertrauen Sie ihnen doch! Bis Sie ungefährdet zurückkehren können, tragen andre Ihre Pflichten!“

„Nur die Pflichten?“ sagte George tonlos und niemand vernahm ihn.

„Und außerdem ist dir der Vorschuß von Voß doch sicher“, hörte er Therese seltsam gelassen sagen. „Als Brands Bedienter kämest du ohne Gefahr aus Mainz heraus bis Basel.“

„Als Brands Bedienter, sagst du.“

Es war dunkel geworden. Huber ging an die Tür und rief nach Licht. Niemand sprach ein Wort. Als der Aufwärter mit der dürftig scheinenden Unschlittkerze eintrat, hob George ihm das Gesicht entgegen, ein graubleiches verfallenes Gesicht, und befahl, er möge anspannen lassen. Dann, sich Haltung gebend, in gefaßtem Plauderton, mit einem Lächeln zu Therese hinüber und dann, als er Theresens Augen ratlos ins Leere gerichtet fand, Huber fest und freundlich ansehend, sagte er: „Vielleicht werden die nächsten Tage unsere Entschlüsse reifen. Glauben Sie nicht, lieber Freund, daß ich von irgend jemand auf der Welt das Opfer fordern werde, mit mir zu leben — und zu sterben.“

Therese schluchzte auf.