„Oh, George …“
Der Kutscher über seinen sieben Kragen fluchte schon. Der englische Bereiter sprang vom Bock und riß den Schlag auf. Im Wagen war ein warmes zwitscherndes Nest voller Kissen, Decken und Pelze, die Kinder schmausten mitgenommenen Kuchen, die biedere Lise strickte. Da stieg Therese nun hinein. George wagte es nicht mehr, nach den Kindern zu greifen. Er stand. Er lächelte.
Therese drängte den Schlag, der zufallen wollte, noch einmal zurück, Therese sprang heraus, sie warf sich an Georges Brust.
„Vergib mir, — o vergib!“
Die Peitsche knallte, die Pferde zogen an. Mr. Brands Berline setzte sich schwankend in Bewegung und schaukelte zum Neuen Tor hinaus, auf der Straße nach Speyer, die George vor zwei Jahren heimkehrend von Paris gekommen war. — — —
Wirbelnd hatte die Spindel getanzt; rasend rollte der Schicksalsfaden ab.
Der Deputierte des Mainzer Konvents im Nationalkonvent zu Paris, George Forster, wohnhaft in der Rue des Moulins, Maison des Patriots hollandais, war ein Freund der einsamen Spaziergänge. Dieser gewesene Deputierte eines gewesenen Konvents, nach Paris gesandt vom Vertrauen seiner Mitbürger, die ihren aufgezwungenen Freiheitstaumel seit dem Juli in den Trümmern ihrer von den Preußen zusammengeschossenen Stadt büßten, George Forster, durchwanderte unablässig die Straßen von Paris und machte es mit sich aus, was es heißen wolle, ein Sansculotte des Herzens zu sein.
Der Sansculotte des Herzens fragt nicht nach Haus und Herd. Er hat sein Zelt, sein Arbeitsgerät, seine Waffe. Sein Lager und seine Feuerstelle sind da, wo der Abend den Wandernden findet. Er ist nicht Patriot, sondern Kosmopolit; er ist Weltbürger. Weiter:
Der Sansculotte des Herzens fragt nicht nach Freund und Gevatter, er vergißt, daß er Eltern und Geschwister besaß. Darum gleichviel, wer hinter ihm drein flucht, gleichviel, ob es Lippen sind, die seinen Namen einst in der Ergriffenheit von Zärtlichkeit und Zuneigung nannten! Er gehört zum heimlichen Orden der Brüder vom reinen Willen. Letztlich:
Der Sansculotte des Herzens fragt nicht nach Weib und Kind. Er fragt nur nach der Idee und dankt dem göttlichen Wesen, wenn es von irdischen Banden ihn löste. —