„Die Vergangenheit!“
George stieß es heftig hervor. Es galt eine Probe. Es war nicht ruchlose Neugier, daß er hier stand! Dies im Auge behalten, sich den Zweck nicht trüben lassen!
Die Vergangenheit! Erfahren, ob es möglich war, daß Gott den Menschen würdigte … Und mit einer ungeduldig heischenden Bewegung stieß er der Somnambule seine geöffnete Linke hin und fühlte sie von schlaffen, kühlen Fingern umfaßt, — Fingern, von denen doch eine beängstigend saugende Kraft ausging. George dehnte den Brustkasten in einem seltsamen Gefühl der Schwäche. Wie, — stürzte all sein Blut in seine Hände?
Und während er in diesem fremdartigen Taumel die Augen schloß, fühlend, daß der stumpfe Blick der Frau an ihm emportastete, — war nicht damals am Kap die große Fledermaus so an seiner Brust hinaufgeklettert, die sich in seinem Jabot verkrallt hatte … da hörte er etwas wie einen tönenden Seufzer, — zwei, drei Worte …
Nun, dies war wirklich zum Lachen!
Und er raffte sich zusammen und sah mit halbem Lächeln auf die Sitzende nieder.
„Nun, Madame, beliebt es? Die Vergangenheit, wenn ich bitten darf!“
Eine Schleuse schien geöffnet. Die Worte kamen unaufhaltsam.
„Da ist eine Reise, wenige Tage zurück, — oh, keine große Reise für Monsieur, — hundert Meilen über Land zu fahren, was will das heißen für Monsieur, der die ganze Erde kennt? Eine Reise zu Verwandten, Monsieur? Die Verwandten sind lange in einem Land fern der Heimat gewesen. Ich sehe — Armut. Das ist vorbei. Monsieur hat gearbeitet für seine alten Eltern. Sind es die Eltern, Monsieur? Gut! Aber die Eltern sind nie zufrieden mit Monsieurs Erfolgen. Ist es Madame Mère? Nein. Aber der alte Mann … Ich sehe einen Berg. Ich sehe eine bittere Galle. Ich fühle — Neid. — Ah, assez! Monsieur wünscht das nicht zu hören. Es hat wenig Freude gegeben beim Wiedersehn. Streit, — Kummer. Assez! Monsieur ist jetzt sehr allein. Da ist eine Frau, — braune Augen. Prenez garde, monsieur! Monsieur hat Freunde, ah, sehr gute Freunde, — da sind hohe Herren. Die letzten Jahre? Viel Arbeit, viel Reisen, — immer für den alten Mann. Aber — ist es nicht so? — Monsieur haßt den alten Mann …“
George, der seine Hand an sich reißen wollte, fühlte eine Lähmung, fühlte Schwindel, fühlte sich wie unlöslich an diese saugenden Finger geschlossen.