„Mein Gebiet, Graf, ist das der Weltgeschichte. Ich habe zu hören und — aufzuzeichnen. Indessen, — hier stehen zwei Männer vom Fach, — zwei Naturforscher. Nehmen wir ihr Urteil an!“
Ja, Müller lächelte. Und gequält wiederholte George oft gesprochene Worte, deren Inhalt auf einmal einen seltsam schmalen Geschmack hatte —: „Die Wissenschaft in der Hand jenes Glaubens, der Berge versetzen kann, — was vermöchte sie nicht, meine Herren?“
Eine halbe Stunde später unter den kalt funkelnden Januarsternen zwischen Sömmerring und Müller eilig durch die Gassen schreitend, sagte George mit einem etwas gewaltsamem Atemholen: „Die Brüder vom reinen Willen, — ich habe nicht ganz verstanden, — ist es eine Institution?“
„Mon dieu, — nein, Freund, — Sie haben nicht verstanden.“ Müller lachte kurz auf.
„Also, —“ George tastete, — „eine Idee, — ein Einfall — ein Wunsch?“
„Es gibt Ideen mit dem Charakter von Tatsachen,“ sagte Müller, wieder mit jenem ungeduldigen Auflachen, indem er den Kragen seines Mantels hochschlug. „Aber wenn Sie es denn gesagt haben wollen: die Brüder vom reinen Willen sind die Menschen, denen das Gesetz ihres Lebens in Harmonie mit dem Gesetz des Universums eingeboren ist, — und wenn es Grade unter ihnen gibt, so mögen die unter ihnen die größten sein, die dieses Gesetz in sich am reinsten vernehmen. Aber ich weiß nicht, ob wir uns verstehen …“
George und Sömmerring schwiegen. Müller mochte Mißtrauen fühlen und seufzte ungeduldig auf. Diese drei Männer, alle noch diesseits der Grenze der Dreißiger, schritten miteinander durch die Nacht, von den durch sie kreisenden Strömen verwandter Ideen und Leidenschaften mit aller Heftigkeit der Jugend angezogen und abgestoßen.
„Sie wissen nichts vom Bunde und ahnen nicht, wie sehr Sie im Herzen der Unsre sind!“ Georges Stimme schwankte ein wenig und klang werbender, als er selbst es vielleicht wünschte.
Müller zögerte.
„Ich empfinde die Schönheit des Bundes,“ sagte er vorsichtig, „und glaube, daß ihm anzugehören die moralische Glückseligkeit stärkt. Lassen wir die Chimie beiseite, — auf sie kommt es nicht an …“