George lächelte ein wenig bitter.

„Es nützt nichts, sich dergleichen vorzuhalten, teure Freundin,“ sagte er, den Blick auf das vor ihnen herschreitende Paar, Meyer und Therese, geheftet. „Nehmen wir uns vor, bei zukünftigen Gelegenheiten weniger gewissenhaft zu sein!“

Karoline seufzte. George bemerkte es nicht. Vom Fluß herüber kam das Quarren der Frösche und nun, — zagend, wie stammelnde Sehnsucht, — der Ton einer kunstlosen Flöte. Die Ebene klagte.

George schlug einen schnelleren Schritt an, um gleich wieder einzuhalten. „Seltsam!“ sagte er schwer aufatmend und drückte die Hand auf seine Brust. „Seltsam, daß ich zu manchen Zeiten das Gefühl habe, als hinge mein vergangenes Leben mit der Schwere eines Jahrhunderts an mir. Als müßte ich eilen, irgend etwas einzuholen … Oh, Karoline, — sollte dieser Abend Symbol meiner Zukunft sein?“

„Welch trübe Ahnungen, bester Freund!“

Und nach einer Weile setzte das Mädchen wie gegen ihren Willen hinzu: „Meyer ist gewiß ein unendlich liebenswürdiger Mensch von Geist und Kenntnissen. Aber, glauben Sie mir, — Therese weiß zu unterscheiden …

Sie weiß es, so gut wie ich …“

Dies kam so verloren hintennach. Ach, George überhörte es völlig. Therese wußte, zu unterscheiden! War diese Versicherung nicht Grund genug, Karolines Hand an die Lippen zu ziehen? —

„Nein, ich träumte nicht, denn ich schlief ja noch gar nicht!“ dachte George, gewaltsam die Augen öffnend und im Mondlicht jede Einzelheit seines schlichten und dennoch komfortabeln Logierzimmers im „König von England“ wahrnehmend. „Rechnet man denn im Traum?“ dachte er weiter. Herrn Meyers Stimme hatte, — dicht an seinem Ohr, — soeben gesagt: „Nunmehr beginnt die Anziehung des Todes …“ und „Ich bin siebenundzwanzig Jahre alt,“ hatte George hierauf erwogen, „folglich siebenundzwanzig und siebenundzwanzig macht vierundfünfzig …“

„Bergab brauchen Sie nur die halbe Zeit, Herr Professor!“ hatte da jemand anders gesagt, und George hätte darauf schwören mögen, Therese vernommen zu haben.