Nach diesen Worten blieb es sonderbar still. George, jetzt mit dem Rücken am Fenster lehnend, erblickte drüben im Spiegelglas seinen Schatten von einem trüben Abendrot umflossen und den Querbalken des Fensterkreuzes zu seinen Häupten.
„Du bist mit Therese einig,“ wiederholte Sömmerring sodann. Es gab ein Geräusch, als bewegte er ruhelos die Hände, riebe sie aneinander, ein trockenes aufreizendes Geräusch.
George, im tiefsten Herzen erkältet und von einer rätselhaften ohnmächtigen Angst überfallen, raffte sich zusammen und rief in erkünstelt zornigem Ton: „Das ist alles, was du mir zu sagen hast? Nun, beim Himmel …“
„Versteh mich richtig, versteh mich richtig!“ sagte die Stimme aus der Dunkelheit hastig in hilflosem Ton. „Ja, dein Glück liegt mir am Herzen, wie mein eigenes, Bruder, — heißer noch, angelegentlicher. Und deshalb, gerade deshalb …“
„Sömmerring!“ sagte George beschwörend. „Oh, Forster!“ seufzte der andere, „Forster, — ist sie denn deiner auch wert?“
„Therese?“ fragte George zurück, und der Ton seiner Stimme sagte, daß er lächelte, „Therese?“
„Ja, — Therese!“ Sömmerring kam herüber und legte mit einer unbeholfenen Gebärde seine Hände auf Georges Schultern, — es war ja dunkel. „George, wir kennen sie beide, und es gab eine Zeit, da durfte man noch in deiner Gegenwart ohne Rückhalt über sie sprechen. Aus jener Zeit mußt du dich entsinnen, — nun, — sie galt für eins von den Mädchen, deren größte Freude es ist, wenn sie Sklaven an ihrem Triumphwagen schleppen können. Und unter diesen Sklaven einen Fürsten zu haben, einen Forster —“
„Oh, schweige!“ George wandte sich ab.
„Ich schweige nicht,“ sagte Sömmerring mit verzweifelter Rücksichtslosigkeit, ein wenig stotternd und mit dem Zeigefinger eifrig unterstreichend. „Diese Liaisons mit dem jungen Rougemont, mit Meyer, haben die Sperlinge auf den Dächern beredet und du allein warst taub und blind.“
„Was will das sagen?“ gab George hastig zurück, „habe nicht auch ich —? Denke an Philippine, an Karoline Michaelis — nun, willst du mir nicht auch sagen, ich sei Theresens nicht würdig? Nun?“