„Oh, George!“ sagte Sömmerring, vor so viel Harmlosigkeit verlegen. „Aber das waren Spielereien, schöngeistige Korrespondenzen …“
„Nun, und …? Willst du etwa andeuten, daß Theresens Beziehungen zu jenen Männern weiter gingen? Und selbst wenn sie sich ihnen näher attachiert gehabt hätte, —“ er redete lauter als nötig, wie einer, der sich selbst übertönen will, — „was willst du ihr vorwerfen?“
„Nichts, als daß sie gleichzeitig mit dir und jenen Hohlköpfen ihr Wesen hatte!“
„Ach, du kennst sie nicht. Sie ist so jung. Sie ist beweglichen Geistes. Du solltest ihre Briefe lesen, Freund, — du würdest zufrieden sein. Was ich dir sagen könnte, es würde mich beschämen, — aber sei beruhigt, — es ist kein Mann mehr für sie vorhanden außer mir. Meyer ist mir Freund und Bruder und sie, o Sömmerring, sie wird mir einst Freundin und Gehilfin sein, wie sie mir jetzt die einzig Begehrte und Geliebte ist.“ Er sank dem Freunde an die Brust.
„Vergib mir, vergib mir!“ stammelte der ergriffen. „Ich weiß, ihre Qualitäten sind außergewöhnliche. Du bist der Mann, sie zu lenken. Sei glückselig! Ich bin es mit dir.“ — —
Es klopfte. Mühlhausen, der Bediente, kam herein, der Schein des Leuchters in seiner Hand fiel auf ein verschnupftes, verweintes Gesicht.
„Ja, ja, Mühlhausen! Sein guter Herr!“ Sömmerring klopfte ihn auf die Schulter, „aber warum folgt Er ihm nicht?“
„O Herr! So in die finstere Polackei! Ja, wenn der arme Mühlhausen nicht Weib und Kind hätte!“
„Lassen wir die Sentiments! Seien wir Männer!“ Forster trat aus dem Nebenzimmer, eine triefende Flasche in der Hand; Mühlhausen, der den einfachen Abendimbiß auf den Tisch gesetzt hatte, entfernte sich.
„Ich habe hier eine Bouteille Johannisberger, Freund, — nun, ’s ist immerhin ein guter Tropfen zum Abschied, und einstweilen bist du den Hochheimer ja noch nicht gewöhnt, — du Rheinländer!“