„Therese,“ sagte er, „hab’ ein wenig Geduld! Die Jahre gehen schnell herum, glaube mir!“

„Und deine Freunde vergessen dich!“ rief sie heftig. „Die Welt stand dir offen, vor zwei Jahren noch! Wer schreibt heute noch an dich? Sömmerring, — Sömmerring, — wer sonst? Spener höchstens und die Herausgeber der Journale, für die du Fronarbeit tust …“

„Sömmerring freilich ist eine treue Seele“, murmelte George bitter. Oh, hatte Therese nicht recht?

„Georgie, Georgie,“ flüsterte Therese und war wieder zu seinen Füßen, die Arme auf seinen Knien, das Gesicht zu ihm erhoben, „laß uns fortgehen von Wilna, Georgie!“

„Deine Locken …“ er spielte mit ihrem Haar, er lächelte, süß gelöst von ihrer warmen Nähe. „Oh, Therese! Weine nie wieder so!“

„Laß uns fortgehen von Wilna!“ wiederholte sie eindringlich, die Augen mit tödlich-ernstem Flehen in seine vertiefend, die ihnen auswichen. „Ich komme um in Wilna. Ich — komme um in mir selbst.“

„Oh, Therese, — und du warst doch immer so fröhlich, seit das Röschen …“

Therese sah ihn eine Weile an, prüfend, stumm. Dann sagte sie: „Fröhlich, Georgie? Du sagst es, kein Zweifel, daß du es auch glaubst.“

Und gesenkten Hauptes, nach kurzem Schweigen, leise: „Die Mutter sagte manchmal zu mir:

‚Wenn dein Herz von Wunden blutet,