„Therese,“ begann er wieder, als er neben ihr lag, und im Dunkeln zog er sie an sich, — „es ist gut, daß dies kam, oh, du hast mich geweckt. Es war etwas eingeschlafen in mir, Therese, hörst du, und vielleicht war es das, — das, was mich deiner Liebe erst würdig machte, — machen konnte, Geliebte, — dies, daß ich wagen und opfern konnte für dich. Ist es so, — Therese …“ bettelte er in der Dunkelheit und fühlte es wieder, dies müde, beschwichtigende Streicheln kleiner Hände, das alles andre tat, als ihn beruhigen. Er stemmte sich auf den Ellenbogen und neigte sein Gesicht auf ihres.

„Vor zwei Jahren, kleines Mädchen,“ prahlte er mit leisem Lachen und spielte zärtlich mit ihrem Stirnhaar, „als ich so verzweifelt war, weil ich nicht wußte, woher das Geld nehmen, um dich aus Göttingen zu holen, nicht wußte, ob mir die Erziehungskommission den Vorschuß bewilligen würde, — da war ich noch ein Kerl, da hatt’ ich noch Projekte! Ja, was meinst du, wenn der Forster nicht gekommen wäre, dich zu holen, wenn er verschwunden wäre wie die Maus im Heuhaufen …“

„Ich wollte alles verkaufen,“ fuhr er träumerisch fort und warf sich zurück, „Bücher, Mineralien, Herbarien, und dann, unter dem Vorwand, nach Deutschland zu gehen, wäre ich geradenwegs nach Konstantinopel gefahren und hätte dort mein Glück versucht, als ein Kerl, der meist alle europäischen Sprachen spricht und just nicht auf den Kopf gefallen ist.“

Er verstummte einen Augenblick und — „ein Leuchtöl, destilliert aus Hammelfett“ ging es ihm unerklärlicherweise durch den Sinn, und „man muß es dem Großtürken anbieten …“ jawohl, dies war der Studiosus Bezzel in Petersburg gewesen!

„Von Konstantinopel aus,“ sprach er langsamer, gleichsam behutsam, um nicht auf Erinnerungen zu treten, „wär’ ich weitergegangen, nach Persien, — nach Indien, — wär’ unter einem warmen Himmel wieder aufgetaut, lebendiger, geistiger, — jünger geworden, und wäre, entweder ein Wiedergeborener mit frischem Ruhm bekränzt oder gar nicht zurückgekehrt — zu dir …“

„Georgie!“ — Therese hatte sich nun ihrerseits halb aufgerichtet und tastete nach seinem Gesicht. „Georgie!“ sagte sie schmeichelnd, „ach, kenn ich dich wieder, mein Georgie?“ Und, ihre Arme um seinen Hals werfend, leidenschaftlich: „Du solltest nicht immer — nur übersetzen, Freund!“

„Nicht immer — nur übersetzen, Therese?“ fragte George sanft, „oh — kleine Therese!“

„Nicht tagelöhnern — schaffen solltest du, George, die Welt erobern, große Projekte ausführen …“

„Große Projekte, Therese?“ Er hielt sie gegen seine Brust gepreßt, er fühlte ihr schnelles hüpfendes Herz wie einen gefangenen Vogel gegen seines stoßen. Er lächelte schmerzlich, sie sah es ja nicht.

„Ich werde,“ sagte er hastig atmend, „mich bemühen, gib acht, — ich — habe Pläne, habe Aussichten. Du sollst sehen, man hat den Forster nicht so schnell vergessen, als du denkst. Therese, — bist du mir auch gut?“