„Wir werden“, flüsterte George Therese zu, „mit Huber nach Hause gehen müssen, er machte mir vorher ein Zeichen, er sieht auch jetzt hinauf. Aber du sahest wohl schon?“ Und mit uneingestandenem Befremden bemerkte er ein Lächeln in ihrem Gesicht, das dem Legationssekretär galt, der, im schwarzen Hofkleid, die Hand am Degen, hinaufgrüßte.

Therese wandte sich an Wedekind. „Wo ist Ihre Schwester, Hofrat?“ fragte sie Sömmerring ungeduldig, wenn schon mit lächelndem Kopfnicken den Umhang abnehmend, den dieser mit umständlicher Höflichkeit bemüht war, ihr um die Schultern zu legen. „Wo ist Meta? Ich wünschte sie mir für den Heimweg, — oh, wer kann immer unter Männern atmen?“

Sie lachte kurz auf, George, Sömmerring und Wedekind nacheinander mit den Blicken streifend und nun Huber entgegensehend, der heraufgekommen war und sich der abflutenden Menge entgegendrängend den Weg zu ihnen suchte. In der Umrahmung des russischen Baschliks wirkte ihr Gesicht zart, in den Augen lag noch das innerliche Lodern, das Musik hier stets entfachte. Wedekind sagte in langsamem Hannoveranisch: „Meta fühlt sich nicht disponiert unter Menschen zu gehen. Sie hatte Briefe, die sie aufgeregt haben, sie bekam Kongestionen. Ihre Affäre zieht sich hin.“

„Herr Forkel ist ein Oger“, sagte Therese leichthin, „welcher redlich Denkende besteht auf einem Besitz, der nur noch auf dem Papier Existenz hat? Oh, ist er denn ein Sklavenhalter? Was meinen Sie, Huber?“

„Daß unsere Freundin frivoler redet als sie denkt.“

„Ah, mon Dieu, — comme il est cérémonieux!“

„Ich werde Meta heute abend noch zur Ader lassen“, sagte Wedekind steif, indem sie die Treppe hinunterschritten, „es wird ihr den Kopf klären. Forkel ist in seinem Recht.“

„Ich bin nicht dafür, den Weibern so viel Blut zu entziehen“, gab Sömmerring den Auftakt zu einem medizinischen Gespräch, das auf der Straße fortgesetzt wurde. Forster schritt stumm nebenher, von unerklärlicher Traurigkeit befallen. Er dachte: „mitunter steigen Worte aus Abgründen auf und verraten alle Schrecken der verborgenen Tiefe. Sage auch ich zuweilen solche Worte?“ Er wünschte, stehen zu bleiben und sich Therese und Huber zuzugesellen, die hinter den drei Herren gingen, aber er tat es nicht. Er schritt gesenkten Hauptes, kraftlos. Sömmerring war bei seinem Lieblingsthema, der Schädlichkeit der Schnürbrüste für den weiblichen Körper, angelangt. Huber dahinten sagte soeben in seiner zögernden Sprechweise zu Therese:

„Jeder Mann, er sei denn von Natur ein Mönch, wird der geliebten Frau eher einen Fehler des Herzens oder ein Versagen des Kopfes nachsehen, als einen körperlichen Defekt, der sich dem Bewußtsein zu jeder Minute aufdrängt.“

„Und wer ist jetzt eben frivol zu nennen?“ hörte George zu seiner Befriedigung Therese fragen. In der Tat, durfte der Verlobte eines köstlichen Mädchens, wie es die ein wenig bucklige Dora Stock war, so sprechen?