„Ich meine doch, wir sollten versuchen, hindurchzukommen!“ Huber blickte zögernd zurück. „Wir vermeiden den Umweg und — es ist ein so heiteres Bild …“
„Ersparen Sie es mir! Nehmen Sie an, das Gedränge sei meinem schmerzenden Kopf zu viel.“
„Nehmen Sie an,“ fuhr er fort, nachdem er den Stock heftig aufsetzend ein paar Schritte getan hatte, „ich ertrüge diesen Anblick des Müßiggangs im großen jetzt nicht. Vulgus stultum freilich betrachtet so ein Schauspiel als sein gutes Recht, — er ernährt den Adel und will das prächtige Tier, das er sich hält, nun auch einmal in Freiheit dressiert vorgeführt haben.“
„Ihre Hypochondrie, Verehrter, läßt Sie die Sache sehr schwarz sehen oder schwerer nehmen, als sie es verdient. Reisen Sie! und reisen Sie bald! Das ist mein Rezept für Ihre Grillen.“
Hofmann, den Bambus zwischen den auf dem Rücken gefalteten Händen, schritt breit, aufrecht und schmunzelnd neben dem Gebückten. Sie überquerten den Tiermarkt und schlugen die Richtung zum Dom ein. „Ich kann gleich ein paar notwendige Kommissionen machen,“ sagte George tonlos zu Huber, und wischte sich die Stirn ab, „wenn man doch einmal unterwegs ist …“
„Unsere braven Kurmainzer zumal,“ dröhnte Hofmann weiter, „fassen die Sache nicht anders als im wackeren Untertanenverstand auf und finden es natürlich, daß der Fürst wie ein Fürst lebt und der Bürger als Bürger.“
„Sie haben da eine recht moderierte Anschauung. Sollten Sie bei Ihrer exponierten Stellung noch nie unter dem Undank der Großen gelitten haben? Was sagten Sie soeben von — Ihrer Eminenz, wie Sie so witzig bemerkten? Und Seine Eminenz — il a le besoin d’être ingrat, hörte ich raunen. Denken Sie an Müller …“
Müller war nach einigen Auftritten mit dem Kurfürsten, die der Öffentlichkeit nicht entgangen waren, drauf und dran gewesen, aus dem Kabinett auszutreten und nur mit Mühe bewogen worden, zu bleiben, — wie es verlautete, durch den Einfluß seiner schönen Gönnerin von Coudenhoven.
Hofmann, stirnrunzelnd, erwiderte nachlässig die Grüße einer Studentengruppe, um gleich darauf den Hut sehr tief und devot vor einem Offizier in goldüberladener Uniform zu ziehen, der mit einer kurzen Gebärde abwinkte.
„Der Baron Erthal hat, seit er den Kurhut errungen, der Welt nicht nur zwei Gesichter gezeigt, wie der hochselige Janus, sondern mindestens deren sechs. Als er antrat, nannte das Volk ihn nicht unbegründet ‚das fromme Herrchen‘, sobald er aber fest im Sattel saß, fing er an, die Masken nach Bedarf zu wechseln, und heut ist er imstande, Ihnen etwas daherzufreigeistern, daß einem Maul und Nase offenstehen bleiben. Der alte Emmerenz Joseph, das war ein anderer Kerl …“