Der Geheime Rat Hofmann tat bei diesen Worten einen unerwarteten Schritt zur Seite und war auf einmal nicht mehr vorhanden. Forster, verwirrt um sich blickend, gewahrte einen knienden Mann, einen gebeugten breiten Rücken, darauf der schwarz umwickelte Zopf lag, ein unbedecktes Haupt: hinter vorangetragenem Kruzifix, von weihrauchfaßschwenkenden Chorknaben umgeben, war ein Priester mit dem Allerheiligsten aus einer Seitengasse gebogen. Die Fußgänger wichen zur Seite, Damen, Bauern neben ihren Gemüsekarren, Kinder, Soldaten, Bürgersfrauen sanken am Straßenrand hin wie niedergemäht.

„Schabbesdeckel runner! Verfluchter Jud!“ rief ein Schusterjunge hinter Huber und Forster drein.

„Ich muß zum Buchbinder Chulmann, auch zum Sattler Hebensperger,“ sagte George leise und nervös, „was meinen Sie, Therese wird ungeduldig werden im Gärtchen? Wollen Sie vorangehen? Ach nein, verlassen Sie mich nicht, allein bin ich den leibärztlichen Opinions nicht gewachsen.“

Er nahm Hubers Arm, fast als wollte er sich stützen.

„Und da kommt sein Namensvetter …“

Sie tauschten eine zeremonielle Begrüßung mit dem Professor der Geschichte Hofmann, der, im langen blauen Schoßrock und hohen Schaftstiefeln, kurz, breit und stämmig, von einigen Schülern umgeben, aus der Richtung der Universität her ihnen entgegenkam.

„Erthal, wollte ich nur sagen, ist von einem Kaliber mit dem starken Mann von Lüttich, für den unsere braven Burschen sich nun bald die Köpfe blutig schlagen lassen dürfen,“ sagte der Leibarzt ein wenig schnaufend, sie wieder einholend und auf einen Trupp Soldaten in feldmarschmäßiger blauer Montur deutend, die, von einer Übung auf den Schanzen kommend, die Beine ungeheuer mutig gen Himmel warfen.

„Haben Sie einmal preußisches Militär gesehen, — Infanterie des alten Fritz? Ich kenne nun doch die Soldateska aus mancher Herren Länder, aber das Bild, wenn die Wache unter den Linden in Berlin aufzieht, wird nirgends annähernd erreicht. Fleischgewordene Kantsche Philosophie …“

„Und doch schickt Preußen die Pfaffensoldaten gegen Lüttich vor!“

„Hach, mein Lieber, das ist Politik! Zudem — es ist nicht mehr das alte Preußen! Denken Sie daran, wie die Liga Wöllner und Bischofswerder den Berliner Hof unterwühlt und reden Sie nur wieder vom Zauber der Kirche, der erhalten bleiben müßte, wie neulich!“