George Forster starrte in die untergehende Sonne. — — —

Die ersten kühlenden Atemstöße des Abendwindes kamen vom Rhein her über die Felder. Es roch nach reifem Korn, nach Staub, nach Leder und Pferden. Die Kutsche schwankte, das eintönige Geräusch der knirschenden Federn, der ächzenden Räder, der trottenden Hufe, war so einschläfernd. Eine Stunde vor Mainz etwa raffte George sich zusammen, machte es sich klar, daß er nun nachhause kam und sich zu freuen hatte, — rätselhafter Druck auf seinem Herzen, der Freude nicht aufkommen lassen wollte! — bürstete an sich herum, erfrischte Gesicht und Hände mit Eau de lavande und sank schließlich wieder in hoffnungsloser Ermüdung vornübergebeugt auf seinem Sitz zusammen.

Auf einmal fuhr er auf, starrte auf die Straße, blickte verstört um sich, sprang auf, lehnte sich aus dem Wagenschlag, die Strecke zurückblickend, die sie gekommen, setzte sich wieder, fuhr mit der Hand über das Gesicht und lachte.

„Wie man so lebhaft träumen kann! Schlief ich denn überhaupt?“

„Ich weiß es nicht sicher.“ Der junge Humboldt hielt mit Pflaumenessen inne und betrachtete ihn interessiert. „Träumten Sie denn schön?“

George sagte langsam:

„Es kam uns eine Kutsche entgegen. Therese saß darin — und die Kinder. Aber das Clairchen schon groß, wie zweijährig. Und noch eine Frau fuhr mit, die ich nicht erkannte. Ich dachte, wie schön, da sind sie mir entgegen gefahren! Aber indem fuhr die Kutsche sehr schnell an uns vorüber, Therese sah geradeaus und niemand sah mich an …“

Er schüttelte den Kopf und blickte tief beunruhigt auf Humboldt. Der murmelte verlegen: „Sonderbar? Nun, es war eben ein Traum und“ … er lächelte, — „unsere Sehnsucht beflügelt die Imagination.“

„Es war aber ganz anderes Wetter, es war Herbst, — oder Winter …“

Der Postillon blies und durch das neue Tor rasselte der Wagen hinein auf das Pflaster von Mainz.