Dann warf er das Testament in die Lade seines Schreibtisches und fing an, im Zimmer auf und ab zu laufen. Mich beachtete er gar nicht mehr, so mächtig war die Erregung seines Gemüthes. Wieder waren mehrere Wochen vorübergegangen. Alvyn war völlig hergestellt und der letzte Abend vor seiner Abreise sollte uns Alle zum Abschiedsfeste vereinigen. Mir bangte davor, denn ich war überzeugt, daß es auch zum Verlobungsfeste werden sollte, und wenn ich es auch einsah, daß es für Justus besser sei, wenn die von ihm selbst vorausgesehene Entscheidung bald fiele, so wußte ich doch, daß dieselbe einen schweren Streich gegen sein Herz führen würde.

Als ich das Haus betrat, begegnete mir Dora im Flur. Sie kam aus der im Erdgeschosse gelegenen Küche und hielt auf einem Glasteller einen mächtigen Kuchen in der Hand. Ihre Wangen waren vom Herdfeuer geröthet und freudige Heiterkeit blitzte aus ihren blauen Augen.

»Welch lucullische Genüsse bereiten Sie da für uns?« frug ich, auf den Kuchen weisend.

Sie legte den Finger an den Mund.

»Bst, nicht so laut,« flüsterte sie. »Es soll eine Ueberraschung für Justus werden. Sein Lieblingsgericht, das ich selbst gebacken. Er wird Augen machen, wenn er erfährt, daß Agathe mir dabei gar nicht geholfen hat.«

Schweigend stieg ich hinter Dora die Treppe hinan. Ich war ärgerlich gestimmt, Dora's Aufmerksamkeiten für Justus verdrossen mich, da ich wußte, daß sie ihn mehr quälen als erfreuen müßten. Ich folgte ihr in das Speisezimmer, wo sie den Kuchen auf den Credenztisch stellte und über und über mit Zucker bestreute.

»Das ist der Zucker, mit dem sie die bittere Pille versüßen will, die sie ihm zu schlucken giebt,« dachte ich zornig.

Sie aber lächelte vergnügt vor sich hin.

»Glauben Sie, daß es ihn freuen wird?« frug sie.

Ich gab keine Antwort, so böse war ich auf sie. Plötzlich aber fuhr ich los: