»Warum quälen Sie den armen Justus unaufhörlich? Warum überhäufen Sie ihn mit Zuvorkommenheiten, die ihn nur peinigen können?«
Ich hielt inne; meine eigenen Worte erschreckten mich. Dora aber blickte mich mit großen Augen staunend an.
»Quälen?« wiederholte sie. »Ich quäle Justus?«
»Wie denn nicht? Das müssen Sie doch selbst einsehen, daß Ihre Aufmerksamkeiten ihm Qualen bereiten müssen. Es kann Ihnen doch kein Geheimniß geblieben sein, daß er – Ah, bah! Sie wissen ganz gut, was ich meine. Aber besser wäre es, Sie machten dem grausamen Spiele ein Ende und erklärten sich. Heute bei Alvyn's Abschiedsfest wäre der richtige Augenblick hiefür.«
Dora wechselte die Farbe. Ein leichtes Zittern bewegte ihre Hand, die immer noch die Streubüchse festhielt, und ein dichter Zuckerstaub fiel neben dem Kuchen auf die Tischplatte nieder.
»Sie glauben, daß Justus –,« lispelte sie kaum hörbar.
»Sie liebt!« fiel ich ein. »Ja, das glaube ich nicht nur, ich weiß es. Und daß Sie mit Ihren koketten Künsten ihn nutzlos peinigen.«
Ich war so erbost gegen sie, daß es mir ordentlich wohl that, sie zu kränken.
Sie schwieg. Nur ein leiser Seufzer drang zwischen ihre Lippen. Ihr Gesicht konnte ich nicht sehen, denn sie hatte mir den Rücken zugewendet. Jetzt klappte sie den Deckel des Schrankes zu und schlüpfte hastig aus dem Zimmer.
Mit gemischten Gefühlen blickte ich ihr nach. Ich schämte mich meiner plumpen Derbheit, und doch war ich wieder froh, das unhaltbare Verhältniß einer Krisis entgegengedrängt zu haben. Noch mehr aber freute ich mich dessen, als ich, in Justus' Zimmer tretend, die bleichen Wangen, die nervöse Unruhe meines wackeren Freundes sah. Es war wirklich hoch an der Zeit, daß diese unerquickliche Lage der Dinge ein Ende nahm.