Trotz der anfänglich etwas befangenen und erregten Stimmung der Mehrzahl der Theilnehmer verlief das Festmahl in ungestörter Heiterkeit. Alvyn's übersprudelnde Lustigkeit wirkte ansteckend auf die Anderen, und frohes Lachen, muntere Scherzworte flogen von Lippe zu Lippe.
Wir waren beim Dessert angelangt, und der mir bereits bekannte Kuchen wurde aufgetragen. Mit etwas scheuer Miene – denn mein auf Dora gerichteter Blick verwirrte sie sichtlich – und stockendem Tone murmelte Dora, wie geistesabwesend, ein paar Worte vor sich hin: daß sie den Kuchen selbst bereitet habe, um zu beweisen, daß sie in den Künsten der Küche nicht so ungeschickt sei, wie Justus stets behauptete. Weiter kam sie nicht; das spöttische Lächeln, das sie auf meinem Munde bemerkte, schnitt ihr das Wort ab.
Jetzt aber erhob sich Alvyn von seinem Sitze und sein mit edlem Wein gefülltes Glas hochhebend, rief er:
»Hurrah, hoch! die Hausfrau möge leben! Ich leere meinen Becher auf Dora's Wohl und auf das Wohl – desjenigen, der das Glück haben wird, sie als Hausfrau heimzuführen!«
Tiefes Schweigen folgte Alvyn's Worten. Doch nach wenigen Augenblicken erhob auch Justus sich, das Glas mit bebender Hand ergreifend. Er war sehr blaß geworden. Ein seltsames Leuchten verklärte den dunklen Glanz seines Auges.
»Dora!« sagte er laut und langsam. »Ich schließe mich Alvyn's Wunsche an. Ich trinke auf das Wohl desjenigen, den Du liebst. Willst Du mir Bescheid thun?«
Dora zögerte. Eine Secunde lang blickte sie unschlüssig vor sich ins Weite. Eine jähe Röthe überfluthete ihre Wangen und ihre Brust hob und senkte sich in heftigen Athemzügen. Doch jetzt erhob auch sie sich und griff nach ihrem Becher. Hell klangen die Gläser aneinander und Justus und Dora's Blicke begegneten sich, als wollte jeder tief sich in des Anderen Seele senken.
»Gern thu' ich Dir Bescheid,« sagte Dora. »Es lebe der, den ich liebe! Er lebe hoch! – Justus lebe hoch!«
Justus' Glas fiel zu Boden, das köstliche Naß über den Teppich ergießend. Er selbst stand wie versteinert. Da flog Dora ihm an den Hals und küßte ihn wieder lebendig.
Wir aber tranken auf das Wohl des Brautpaares. Ein Toast folgte dem anderen und die Nacht war weit vorgerückt, als ich in heiterster Stimmung mich auf den Heimweg machte.