Gabriele hob den Kopf empor und warf einen traurigen Blick auf ihren Gatten, der sich mit langsamen und auf dem schweren Teppich geräuschlosen Schritten näherte.
»Wie geht es dem Kleinen?« fragte er leise, indem er seine Frau mit leichtem Kopfnicken begrüßte.
»Um nichts besser,« erwiderte Gabriele noch leiser. »Das Fieber steigert sich.«
»War der Doctor hier?«
Flüsternd wiederholte sie die Weisungen des Arztes. »Im Laufe der Nacht,« so hatte er sich geäußert, »würde die Krisis eintreten. Sollte das Fieber nach Mitternacht noch stärker werden, so möge man ihn unbedingt nochmals holen lassen.«
»Rege Dich nicht so auf,« sagte Brauneck, als er bemerkte, wie ihre Augen sich mit Thränen füllten. »Erich ist ein kräftiger Junge; es liegt kein Grund zu so großer Sorge vor.«
Gabriele antwortete nicht. Der Knabe aber, der die flüsternden Stimmen gehört, schlug die Augen auf.
Ein Ausdruck von Freude glitt über sein Gesichtchen.
»Ach, Papa, bist Du endlich gekommen,« sagte er. »Ich fürchtete schon, Du kämest nicht mehr.«
Der Vater beugte sich zu dem Kinde herab und drückte einen Kuß auf seine brennende Stirn.