Theodor warf mir einen erzürnten Blick zu, der mich einschüchtern und mir Schweigen gebieten zu wollen schien. Margarethe aber erwiderte mit feinem Lächeln:

»Pluto und ich wir ergänzen einander vortrefflich. Wo sein Witterungsvermögen aufhört, da beginnt das meine.«

»Wäre es aber nicht klüger, das Schicksal nicht durch allzu große Kühnheit herauszufordern?« fragte ich, meine verblümten Warnungen mit ungeschickter Hartnäckigkeit fortsetzend.

Da lachte Margarethe, und Calderon citirend erwiderte sie:

»Wer Gefahren ängstlich flieht, der stürzt sich in Gefahr.«

Theodor aber gab mir den Rath, um Pluto's feine Spürnase zu erproben, mich als Vagabund verkleidet bei seiner Herrin in der Waldeinsamkeit anzuschleichen. »Da würdest Du erfahren, ob er Freund und Feind zu unterscheiden vermag,« schloß er spöttisch. »Und Pluto's Zähne würden Deine Wißbegierde befriedigen.«

Nun wurde ich wieder böse und mit scharfem Tone entgegnete ich, daß börsengierige Strolche nicht die schlimmsten Feinde seien. Die scheinbare Freundschaft mancher Leute sei weit gefährlicher als offenkundige Feindschaft, gegen die man sich wappnen könne.

»Natürlich! Der berüchtigte Wolf im Schafspelz ist ein gar böses Thier!« rief Theodor lachend. »Eine höchst interessante Entdeckung, nur nicht ganz neu.«

Ich hatte mich abgewendet und im Weggehen hörte ich noch Beide lachen. Ich fühlte mich gekränkt, nicht nur von Theodor, auch von Margarethe, die sich an seinen Witzen über mich belustigte. Am liebsten hätte ich mein Engagement mit ihr zur Quadrille Theodor abgetreten. Da dies aber doch nicht anging, fand ich mich, als das Zeichen zur Quadrille gegeben wurde, pflichtschuldigst bei Margarethe ein.

Als ich mich ihr näherte, stand ihr Gatte neben ihr. Sie sprachen eifrig und lächelnd miteinander und ganz deutlich schien es mir, Theodor's Namen aus Margarethens Munde zu hören. Welche Arglist! Sie spottete wohl mit Arthur über ihn, um diesen in Sicherheit zu wiegen und desto bequemer und unbeargwohnt ihre süßen Tändeleien mit ihrem Courmacher fortsetzen zu können. Mir ward ganz übel zu Muthe, Margarethe von solcher Seite kennen zu lernen, mit so schnöder Hand das ideale Bild, das ich von der Lauterkeit ihres Charakters in meiner Seele trug, verwüstet zu sehen.