Doch jetzt wurde die Introduction zur Quadrille intonirt, die Paare traten in die Reihe und ich hatte keine Zeit, mich meinen trübseligen Betrachtungen hinzugeben. Schweigend verbeugte ich mich vor Margarethe und bot ihr meinen Arm.
»Sie machen ja ein Gesicht, als ob Sie bei meinem Begräbnisse wären, nicht aber bei einem zur Feier meines Namensfestes veranstalteten Tanzkränzchen,« sagte sie, mir treuherzig in die Augen blickend.
Auf diesen Vorwurf nicht vorbereitet, stotterte ich ein paar Worte der Erwiderung, deren ich mich nicht mehr erinnere, die aber sicherlich recht albern waren, denn Margarethe lachte. Sie verbarg zwar ihre spöttisch zuckenden Lippen in dem Blumenstrauße, den sie an ihr Gesicht drückte. Ich fühlte es jedoch, daß sie lachte, mich auslachte. Aber ich zürnte ihr nicht. Sie war so berückend schön in diesem Augenblicke, die dunklen Augen, die über die Blumen hinweg schelmisch auf mich hinüber blitzten, das zarte Adlernäschen, dessen feingeschwungene Flügel sich leise hoben und senkten, indem sie den Duft der Blumen begierig einsogen, der volle und doch schlanke weiße Nacken, der durch das schwarze Spitzengewebe der Corsage wie beseelter Marmor schimmerte – es war ein so entzückend liebliches Bild, das sich meinem Auge darbot, daß ich nicht an mich selbst zu denken vermochte, sondern nur an sie, die in der ganzen Glorie ihrer jugendfrischen Schönheit, auf meinen Arm gestützt, leichtfüßig dahinglitt. Ja, nur an sie dachte ich und an den, dem es gelingen sollte, vielleicht schon gelungen war, bloß um seiner nimmersatten Eitelkeit zu fröhnen, das Herz dieses reizenden Wesens mit den Fallstricken seiner auswendig gelernten feurigen Blicke, seiner allerorten wiederholten lügenhaften Liebesbetheuerungen zu umgarnen.
»Nun, wollen Sie mir nicht verrathen, was Sie so traurig stimmt?« fragte sie, als ich nach dem »Herren-Eté« an ihre Seite zurücktrat.
»Warum nicht,« erwiderte ich. »Es ist der Neid, grimmer Neid, der mir die Laune verdirbt.«
»O, wie häßlich! Und solches Laster gestehen Sie so ruhig ein?«
»Sie wissen ja, wovon das Herz voll ist –«
Die nächste Figur trennte uns. Dann, beim »Balancer«, fragte sie:
»Und darf man wissen, wer der glückliche Unglückliche ist – denn daß es ein Er, steht wohl außer Zweifel – dessen Los Ihnen so beneidenswerth dünkt?«
»Sagt es Ihnen Ihr Herz nicht?«