Das fehlte gerade noch, die Beiden einen ganzen Tag allein zu lassen – denn meiner unbequemen Nähe würden sie sich, wenn es ihnen so genehm, wohl zu entziehen wissen.

Ich versuchte es, Arthur zu einem Aufschub seiner geschäftlichen Excursion zu bestimmen. Ich bat ihn, dieselbe am zweitnächsten Tage anzutreten, an welchem Theodor und ich nach der Hauptstadt zurückkehren würden. Arthur meinte aber, daß dies gerade der Grund sei, warum er die Ordnung dieser Angelegenheit nicht verzögern wolle, denn so lange wir hier seien, wisse er, daß seine Margarethe sich nicht langweilen würde, und trotz meiner verschiedensten Einwendungen blieb er bei seinem Entschlusse.

Theodor strahlte und auch in Margarethens Augen blitzte ein Freudenschimmer, der mich fast rasend machte vor Grimm, und ich beschloß, meine letzte Karte auszuspielen, um Arthur von seinem Vorhaben zurückzuhalten.

Nach dem Thee, während Margarethe uns einige Lieder sang, zu welchen sie Theodor, wie gewöhnlich auf dem Clavier begleitete, brach ich die Gelegenheit vom Zaune, um meinem Freunde, mit Ausnahme des auf Margarethe bezüglichen Details, mein ganzes mit Theodor während der Bahnfahrt geführtes Gespräch zu erzählen. Mit wahrer Wonne verbreitete ich mich über die eines Don Juan's würdigen Anschauungen des »Unwiderstehlichen« über Liebe und Treue und entblödete mich nicht, auch seines, wie er behauptete, aus seinen intimen Erfahrungen geschöpften Wahl- und Wahrspruches: Veni, vidi, vici! Erwähnung zu thun. Wer beschreibt jedoch meine Fassungslosigkeit, als ich sah, daß auch dieses Mittel nicht verfing!

Mit ruhigem Lächeln hörte Arthur mir zu, und als ich schwieg, sagte er ganz unbefangen:

»Ja, ja, ich kenne das. Solche Ansichten sind bei den Männern gang und gäbe, namentlich bei den Junggesellen.«

Ich war wie vor den Kopf geschlagen und starrte ihn an, als hätte er plötzlich angefangen, chaldäisch zu sprechen. Auch muß ich in meinem grenzenlosen Staunen ein etwas dummes Gesicht gemacht haben, denn er lachte geradezu, als er mich ansah. Ich wurde so erbittert über ihn, daß ich ihm sicherlich etwas Grobes gesagt hätte, wenn nicht in diesem Augenblicke ein von Margarethe vorgetragenes Gounod'sches Lied beendigt und sie zu uns herangetreten wäre, wodurch unser Gespräch abgeschnitten war.

So zwang ich mich denn, gegen Margarethe gewendet, zu ein paar artigen Floskeln über ihren Gesang – von dem ich diesmal freilich wenig gehört hatte – während ich innerlich Arthur mit Molière apostrophirte: Tu l'as voulu, George Dandin! Am anderen Morgen, als Arthur, seinem Vorhaben gemäß, fort fuhr, stand Margarethe, so zeitlich früh es auch war, am Wagen, um ihm Adieu zu sagen. Am offenen Fenster stehend, sah ich, wie sie sich zärtlich umarmten und küßten und hörte Margarethe sagen:

»Also pünktlich, Arthur, keine Verspätung!«

»Pünktlich, wie eine Sonnenuhr!« rief er zurück, während er lachend in den Wagen sprang.