Ich aber dachte: »Sei Du nur pünktlich, mein Lieber, so pünktlich kannst Du doch nicht sein, um Deinem Unheil zuvorzukommen, dem Du kopfüber entgegen rennst!«
Der Vormittag verging wie die anderen, ohne daß etwas Besonderes vorfiel. Nur glaubte ich an Theodor sowohl wie an Margarethe eine gewisse nervöse Unruhe zu bemerken, als ob sie irgend etwas mit Spannung erwarteten.
Bei Tische – das Dessert war eben aufgetragen worden – griff Theodor nach seinem mit edlem Wein gefüllten Glase und es emporhaltend, sprach er zu Margarethe gewendet:
»Es verstößt zwar gegen die gute Lebensart, sich selbst zum Hauptgegenstande des Gespräches zu machen. Dennoch kann ich es mir nicht versagen, zu bemerken, daß ich heute mein Geburtsfest feiere. Gestatten Sie mir, gnädige Frau, mein Glas auf Ihr Wohl zu leeren, indem ich Ihrer Güte und Ihrer liebenswürdigen Einladung, in Ihrem Hause zu weilen, es danke, daß der heutige sich zu dem schönsten und reizvollsten Geburtstag meines Lebens gestaltet.«
Margarethe schlug sich in die Hände.
»Ihr Geburtstag ist heute!« rief sie heiter. »Das trifft sich ja köstlich! Schade, daß Sie es nicht früher gesagt, dann hätten wir ein kleines Fest veranstaltet. Never mind, noch ist es ja nicht zu spät dazu.«
Ein schelmisches Lächeln flog über ihr Gesicht. Sie erhob ihr Glas und die Becher klangen aneinander.
Mich aber faßte es wie ein Taumel. Indem ich mit dem Rande meines Glases dasjenige Margarethens berührte, rief ich lustig:
»Evviva, Theodor! Ein Hoch dem Unwiderstehlichen und seiner Siegesbahn!«
Theodor blickte mich betroffen an. Margarethe lachte.