Eine halbe Stunde später vereinigten wir uns im kühlen Billardzimmer zu einer kleinen Partie, denn noch war es zu heiß, um ins Freie zu gehen. Später sollte eine Kahnfahrt und nach derselben ein Spaziergang in den Wald unternommen werden. Margarethe wollte uns zu dem an ihrem Lieblingsplätzchen erbauten Pavillon führen, den sie uns noch nicht gezeigt hatte.

Alles verlief ganz programmgemäß. Aber während ich ruderte, bemerkte ich wiederholt, wie Theodor, der am Steuer saß, mit Margarethen leise Worte tauschte. Auch schien es mir, daß sich die von mir schon früher wahrgenommene erregte Spannung ihres Wesens sichtlich steigerte.

Schon neigte sich die Sonne ihrem Untergange zu, ihre schräg auffallenden Strahlen glitzerten und glänzten auf den Wellen wie flüssiges Gold. Die Abendkühle senkte sich erfrischend hernieder.

An einer buchtähnlichen Biegung des Flusses, an dessen Ufer eine Bank stand, landeten wir, um von dort aus den Weg durch den Forst nach dem Pavillon einzuschlagen. Wir hatten jedoch erst einige Schritte zurückgelegt, als Margarethe erklärte, vorher noch nach Hause gehen zu wollen, um sich einen Shawl zu holen. Der Abend sei plötzlich so kühl geworden.

Theodor meinte jedoch, wir sollten vorangehen, er würde nach Hause eilen, um das Gewünschte zu bringen.

Er setzte sich in Schnellschritt – doch nur, um nach zwei Minuten einen kleinen Schrei auszustoßen und, indem er hinkend zu uns zurückkehrte, die Erklärung abzugeben, er sei gestrauchelt, habe sich den Fuß verletzt und bäte daher mich, die Mission zu übernehmen, da er unmöglich so rasch zu gehen vermöchte. Sie Beide würden hier auf der Bank meine Rückkehr abwarten.

Ich verstand – und vermochte es nicht, ein spöttisches Lächeln zu unterdrücken. Fragend blickte ich auf Margarethe, doch als sie mit freundlicher Bitte sich Theodor's Anordnung anschloß, sah ich, daß es ihr Wunsch sei, daß ich sie verlasse, und begab mich auf den Weg.

»Das also haben sie mitsammen abgekartet, als ich sie flüstern sah,« dachte ich, während ich beinahe laufend dem Hause zustürmte. Dort ließ ich mir von einem Diener irgend einen Shawl Margarethens geben und kehrte wieder zurück. Etwa zwanzig Minuten mochten verflossen sein, so war ich wieder zur Stelle. Doch die Bank war leer. Weder von Margarethe noch von Theodor eine Spur.

Ich rief, aber keine Antwort tönte zurück.

Da lachte ich laut auf – doch that mir dieses Lachen so wehe, als ob ich weinte.