»Aber ich gehe ja nicht fort! Ich verlasse doch weder das Haus, noch selbst die Wohnung.«

»Bleibe hier, bei Erich!«

»Das kann ich nicht.«

»Und was soll ich dem Kinde sagen, wenn es nach seinem Vater frägt?«

»Sag' ihm, was Du willst!«

Gabriele zuckte zusammen; dann richtete sie sich hoch auf.

»So geh' denn! Geh' zu Deinen Genossen, geh' dem entsetzlichen – Vergnügen nach, das Du nicht entbehren kannst! So mächtig hat der Dämon des Spieles Deine Seele umstrickt, daß Du ihm Dein Vermögen zum Opfer brachtest, das Du Deinem Sohne hättest erhalten sollen. Jetzt siehst Du Deines Kindes Leben selbst bedroht – doch auch das hält Dich nicht zurück. Für Dein Weib und Dein Kind ist Dein Herz erkaltet; nur die Flamme jener unseligen Leidenschaft verzehrt es.«

Fast unhörbar leise hatte Gabriele diese Worte hervorgestoßen, aber Otto war keines entgangen. Er erbleichte. Einen Augenblick lang begegneten sich die Blicke der beiden Gatten. Dann senkte Otto den Kopf, wendete sich langsam um und verließ geräuschlos das Zimmer.

Einige Minuten blieb Gabriele regungslos stehen und starrte auf die Thür, durch welche er sich entfernt hatte. Dann wandte auch sie sich um und kehrte an Erich's Lager zurück.

Nach einer Weile schlug der Knabe die Augen auf. Ein heißer Tropfen war ihm auf die Stirn gefallen.