Auch in der Portierswohnung war Licht zu sehen, und ich trat ein. Mit geschlossenen Augen, still und blaß, lag der Kranke in seinem Bettchen; der Vater kauerte stumm in einem Winkel der Stube und begrüßte mich kaum; die Mutter aber schlich weinend umher und machte sich tausenderlei, auch ganz Ueberflüssiges, zu schaffen, nur um etwas zu thun zu haben.

Sie wußten, daß es mit ihrem Kinde zu Ende ging. Der Doctor hatte es ihnen gesagt, und der Zustand des abgezehrten, zu Tode erschöpften Knaben bannte jede Hoffnung.

Ich fand kein Wort des Trostes für die armen Alten. Beklommenen Herzens setzte ich mich an die kleine Lagerstätte und hatte Mühe, meine eigenen Thränen zurückzuhalten, angesichts des großen, mächtigen Schmerzes, der den kummergebeugten Eltern bevorstand.

Nicht lange hatte ich so, meinen traurigen Gedanken mich hingebend, dagesessen, als der Kleine die Augen aufschlug und, als er mich bemerkte, mühsam auf seine Geige hindeutete und, mich mit sanft flehendem Blicke anschauend, seine winzigen, abgemagerten Händchen bittend ineinanderlegte.

Ich verstand ihn. Rasch erhob ich mich von meinem Sitze und eilte zurück in die lichtstrahlenden Räume zu den frohen Festgenossen.

»Meister,« flüsterte ich, indem ich mich sachte an den Hausherrn herandrängte, »unser kleiner Schützling da unten liegt im Sterben. Ihm verlangt nach Euch und nach Musik. Wollt Ihr seines Lebens letzten Wunsch erfüllen?«

Da begegnete ein warmer, milder Strahl aus dem Auge des Künstlers dem meinen. Leise drückte er mir die Hand und verließ mit mir den Saal. Er holte seine Geige, und wenige Minuten später standen wir im Zimmer des sterbenden Kindes.

Und wieder rieselten die wundervollen Klänge gleich perlenden Toncascaden von den bebenden Saiten, schwellend, wogend, säuselnd wie mildes Frühlingswehen, innig wie liebenden Herzens Pochen, erhaben wie frommer Gottgedanke. Und wie ein Gruß aus Engels Munde umschmeichelten die lieblichen Melodien die entfliehende Kindesseele und umgaukelten sie mit tönenden Zauberbildern.

Und wieder schlug der Knabe in entzücktem Lauschen sein Auge auf, und seine schmalen, bleichen Lippen lispelten fast unhörbar:

»Er hat es gesagt, er selber, auch ich werde Geigenkönig wie er!«