Julian fühlte sein Herz sich zusammen schnüren. Die alte Geschichte – wie hätte es denn auch anders sein können unter solchen Verhältnissen! Und doch, ach – wie leid that es ihm um das junge Mädchen.

Er überlegte. Sollte er sich unbemerkt von dannen schleichen – oder die Mutter aufsuchen, die sicherlich im Wagen saß? – Wenn er jetzt gleich wieder fort ging, wie sollte er den Leuten die Flasche Wein und den kalten Braten zukommen lassen, die er ihnen zur Wegzehrung auf ihrer morgigen Wanderschaft mitgebracht.

Da lösten sich die beiden Gestalten aus ihrer Umarmung, der Mann eilte raschen Schrittes der Stadt zu, Elvira aber, die Arme auf einen Pfosten des Zaunes, den Kopf in die Hände gestützt, brach in bitterliches Schluchzen aus.

In zwei Sätzen stand Julian neben ihr.

»Was ist geschehen? Warum weinen Sie?« drang er in das Mädchen, ihr den Kopf streichelnd, wie man einem weinenden Kinde thut.

Sie antwortete nicht sogleich, die Thränen erstickten ihre Stimme. Endlich aber faßte sie sich. Und nun erfuhr Julian, um was es sich handelte.

Der junge Mann, der eben von ihr gegangen, liebte sie. In einem kleinen Gasthause, wo sie zuweilen sang und er sein Abendbrot zu nehmen pflegte, hatte sie ihn kennen gelernt. Heute nun, da er wußte, daß sie am nächsten Tage fortwandern sollten, war er gekommen, ihr zu sagen, daß es ihm Ernst sei, daß er sie heiraten und mit der Mutter gleich alles Nöthige besprechen und festsetzen wolle.

»Nun –?« fragte Julian, als das Mädchen stockte.

»Ich werde ihn wohl nie im Leben wiedersehen,« fuhr sie mit zitternder Stimme leise fort. »Ich hab' ihn abgewiesen und ihm Lebewohl gesagt.«

»Sie lieben ihn also nicht?«