Dumpfes Schweigen lagerte plötzlich über der Gesellschaft.

»Die Pflichten der Höflichkeit als Hausherr verbieten mir, gegen Sie so vorzugehen, wie ich an jedem anderen Orte vorgehen würde,« stammelte Brauneck nach einigen Augenblicken. »Nichtsdestoweniger werden Sie« – gegen den Ankläger gewendet – »mir für Ihre mir zugefügte Beschimpfung Genugthuung zu geben haben. Ich werde Ihnen morgen meine Zeugen schicken.«

Ein Hohngelächter beantwortete Brauneck's Worte.

»Mit einem Falschspieler schlägt man sich nicht!«

Und alle Anwesenden erhoben sich von ihren Plätzen.

Gabriele stand noch immer an der Thürschwelle. Ein dunkler Schatten legte sich ihr über die Augen. Aber sie schrie nicht auf; sie brach nicht zusammen. Unbemerkt wandte sie sich zurück und ehe die Gäste sich zum Weggehen gerüstet, erreichte sie das Zimmer ihres Kindes.

Dort sank sie lautlos an Erich's Bettchen nieder.

Der Knabe hatte sich wieder in die Kissen zurückgelegt. Er schien zu schlummern. Die Fieberröthe war von seinen Wangen gewichen. Nur die Athemzüge klangen noch immer so kurz und röchelnd.

Jetzt regte er sich und schaute mit weitgeöffneten Augen im Zimmer umher.

»Mama,« sagte er, und ein heiteres Lächeln flog über sein Gesichtchen. »Mein wunderschöner Traum – wir waren in einem wunderprächtigen Garten, eine herrliche Musik tönte von fernher und eine Schaar hübscher Kinder tanzte mit mir nach ihren Klängen. Du und Papa –«