Sparre lächelte gezwungen. Er antwortete: »Auf die Gefahr, es völlig mit Ihnen zu verderben, gestehe ich, daß ich da weder Glorie, noch Geheimnis erblicken kann. Ich sehe auf der einen Seite nur infantilen Geist und verächtlichen Byzantinismus, auf der andern die ganze Narrenbosheit und den widersinnigen Hochmut dieses Geschlechts von herzlosen, unwissenden, weltfremden und menschenfeindlichen Drahtpuppen auf dem Thron. Edle Rassetiere im besten Fall, haben sie ihre Befugnisse mißbraucht, um zwischen den Nationen Zwietracht zu säen und dabei ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen, Schmeichler und Dunkelmänner zu hohen Ämtern zu befördern und redlichen Dienern den Strick zu drehn. Zuviel ist um der Popanze willen gelitten worden, zuviel Weihrauch und Lüge –«

Erasmus erhob sich. »Ich glaube, wir brechen das überflüssige Gespräch ab,« sagte er scharf.

»Hab doch die Gnade, mein Teurer, mir die Aschenschale zu reichen,« wandte sich Castellani mit heiterem Gesicht an ihn.

»Vielleicht spielt uns Herr Sparre etwas vor,« sagte die Gräfin verbindlich.

Sparre war ebenfalls aufgestanden. »Mich dünkt, dazu fehlt momentan die nötige Empfänglichkeit, Frau Gräfin,« erwiderte er mit steifer Verbeugung.

Die Gräfin drehte sich zu Lix und spottete kaum hörbar: »Gaffen hat er sich bis jetzt genug geleistet.«

Ferry Sponeck fuhr sich unglücklich durch die Haare, denn er merkte endlich, daß etwas nicht stimmte. »Sag mir doch, Mumu,« raunte er Erasmus zu, »was hat es denn eigentlich gegeben?«

Man vernahm das Rollen eines Wagens. Sebastiane, die neben Erasmus stand, horchte auf; dies Geräusch zu dieser Stunde war ungewöhnlich. Auch die andern lauschten. Erasmus antwortete auf Ferry Sponecks Frage: »Hast du vergessen, was ich dir neulich gesagt habe? Offene Rebellion ist Satans Werk, hab ich dir gesagt. Hast gerade du uns den Satan ins Haus führen müssen?«

Niklas war hastig eingetreten, hatte sich hinter den Stuhl der Gräfin gestellt und ihr im Herabbeugen ein paar Worte ins Ohr geflüstert. Die Gräfin sprang mit verändertem, erblaßtem Gesicht empor. Als die Töchter sie erschrocken umdrängten, sagte sie: »Frau von Gravenreuth ist angekommen, und ... und Gräfin Giese. Sie sind geflüchtet. Das Schloß brennt.«

»Gott sei uns gnädig,« murmelte der Katechet.