Den Morgen nach dieser Vorstellung erhielt Lesseps einen Besuch vom Gouverneur, der ihm ein von Paris vom Ministerium erhaltenes Schreiben mitteilte, das sehr ungünstige Äußerungen, ja sogar Drohungen gegen Lesseps wegen der üblen Geschäftsführung seines hohen Postens enthielt. Einige dienstfertige Freunde hatten nämlich nach Paris berichtet, daß vermittelst eines kleinen Geschenkes von zwanzig bis dreißig Napoleon, welches man der schönen Tänzerin durch deren Mutter übergeben lasse, man nicht nur sehr vieles bei der Zivilverwaltung von Korfu durchsetze, sondern auch schon gesprochene Urteile der Gerichte wieder umstoßen könne. – An dieser Sache war allerdings etwas Wahres, obgleich die Berichte sehr übertrieben gewesen sein mögen. Peppina selbst war unschuldig, ihre Mutter aber die Urheberin solcher Intrigen. Der Gouverneur wurde in jenen Briefen gefragt, was an der Sache sei, und im Falle es sich so verhalte, müsse der Kommissär augenblicklich abberufen werden. Die beiden Herren standen aber auf einem sehr freundschaftlichen Fuß miteinander und hielten Rat, was zu machen sei. Donzelot war der Meinung, das beste Mittel, die Beschuldigung zu entkräften, sei, die Tänzerin unverzüglich nach Italien zurückzuschicken, wodurch jeder Grund zu einer weiteren Klage gehoben würde. Hiervon wollte aber der verliebte Kommissär nichts hören, bis ihm der Gouverneur kategorisch erklärte: „Eh bien, ça sera vous qu’on renverra,“ und er endlich nach großem Kampf in Peppinens Abreise willigte. – Dem armen Mädchen kam die Eröffnung dieses Beschlusses, den ihr der Kommissär mit aller möglichen Schonung mitteilte, wie ein Donnerschlag; aber es war nun einmal nicht zu ändern, man mußte sich allerseits in den Willen des eisernen Schicksals fügen. Der Tag der Abreise war mit dem ersten günstigen Wind festgesetzt, sie schiffte sich mit ihren Verwandten und ungefähr fünfzigtausend Franken in Gold und Juwelen, die sie während der kurzen Zeit ihres Aufenthaltes zu Korfu erworben hatte, auf einem für sie eigens eingerichteten kleinen Schiff ein. Nur noch einmal sprach ich sie, und zwar, als sie schon eingeschifft war, bevor sie abfuhr. Ich hatte zu dem Ende die Bekanntschaft des Schiffskapitäns gemacht, diesen durch einige Artigkeiten gewonnen, und brachte so noch ein paar selige Stunden mit ihr an Bord in ihrer Kabine zu, verließ sie endlich mit den Worten: „Ci rivedremo in Italia!“ und sprang in das kleine Boot, das mich wieder ans Land brachte. – „Ci rivedremo in Italia!“ hatte auch sie wiederholt, und so schieden wir mit einem langen Abschiedskuß.

Nach Peppinas Abreise war Lesseps untröstlich, er schloß sich in sein Zimmer ein, wollte niemand Gehör geben und überließ sich einer schwarzen Melancholie. Dieser Zustand wurde mit jedem Tag ärger, so daß man anfing, für seinen Verstand zu fürchten. – „Ich muß sie wieder haben, oder ich sterbe,“ rief er ein Mal über das andere aus. Unterdessen war von Otranto Nachricht gekommen, daß das Schiff mit seinen Passagieren daselbst glücklich angekommen sei und eine neunzehntägige Quarantäne halten müsse. Der Gouverneur bot alles auf, seinen Freund zu trösten, als er aber sah, daß alle seine Bemühungen fruchtlos waren, sagte er endlich: „Wohlan, lassen Sie das Mädchen zurückkommen; Delungo mag sie abermals engagieren, aber machen Sie das Verhältnis nicht zu auffallend, und lassen Sie es nicht den mindesten Einfluß auf Ihre Dienstgeschäfte haben, meiden Sie alles Zusammentreffen mit der Mutter.“ – „Sie sind mein Retter, mein Engel!“ rief der entzückte Lesseps aus, seinem Freund um den Hals fallend. – „Alles, was Sie wollen, gehe ich unbedingt ein, wenn ich nur das Mädchen wieder habe.“ – Noch denselben Abend wurde eine Kanonierschaluppe abgefertigt, Peppina zur Rückfahrt zu beordern. Auch diese gelangte glücklich an ihre Bestimmung, und die Rückkehr sollte mit dem ersten Maestro stattfinden. Peppina schiffte sich mit den Ihrigen und ihren Schätzen ein, und als die zur Abfahrt günstigen Umstände, mondlose Nacht und starker Nordwind, eingetreten und sich das Gestirn des Tages in die Fluten des Mittelländischen Meeres gesenkt hatte, ging dieselbe mit vollen Segeln vor sich. Der Wind war sehr stark und die Nacht so finster, daß man keinen Schritt weit sehen konnte. Um ein Uhr nach Mitternacht ertönte auf einmal der Ruf: „Wir sind verloren!“ und die Schaluppe befand sich unter den Batterien eines englischen Linienschiffes, von dem man schon die hohlen Töne der Sprachrohre vernahm, mit denen sie die Schiffe anrufen. Der Steuermann wollte durch eine schnelle Wendung der Gefahr des Gefangenwerdens entgehen, aber der so heftig wehende Wind, der mit aller Kraft in die Segel blies, schlug die Kanonierschaluppe um, und die ganze Mannschaft samt allen Passagieren, unter denen auch ein Familienvater von sieben Kindern und seine Gattin waren, ertranken. Den anderen Tag erhielt der Gouverneur die Nachricht dieses Unfalls durch einen englischen Parlamentär. Lesseps, der sich als die alleinige Ursache dieses traurigen Unfalls betrachtete, wollte verzweifeln, sperrte sich abermals acht Tage lang in sein Zimmer ein und – ließ sich am neunten durch eine niedliche Grotesktänzerin trösten. Auch mir ging der schauderhafte Vorfall zu Herzen, lange konnte ich mich nicht mit dem Gedanken vertraut machen, daß die schönen und zarten Glieder der liebenswürdigen Peppina, die ich samt dem Publikum so oft mit dem größten Entzücken auf der Bühne bewundert hatte, die Beute der Hai- und anderer Raubfische geworden seien.

Herr von Brüge wäre mit dem Beginn des Sommers (1813) gerne wieder nach dem durch fortwährende Seewinde fast immer kühl erhaltenen, herrlich gelegenen Pallea Castrizza gezogen, aber die immer bedenklicher werdenden Umstände ließen es nicht zu, und er bezog ein kleines Landhäuschen, das sich in dem kaum eine Stunde von Korfu liegenden Dorf Viro befand, wohin ich nun einigemal in der Woche ritt, um meinen Musikunterricht bei der immer schöner und blühender werdenden Josephine fortzusetzen.

Auch diesen Sommer wurde, trotz der schlimmen aber überzuckerten Nachrichten, die von dem Kontinent und der großen Armee einliefen, aber nie die Vorfälle der Wahrheit gemäß enthielten, der 15. August nochmals mit großem Pomp gefeiert.

Den Abend war wieder ein großer Ball bei dem Gouverneur, und gegen Mitternacht wurde das Feuerwerk abgebrannt, zu dem diesmal eine griechische Dame den Drachen anzündete und losließ, wobei sie sich aber ein Loch in das Kleid brannte. Einige tausend Raketen flogen in die Luft, und alles ging glücklich ab; aber ein paar Stunden darauf, als wir noch recht vergnügt tanzten, ertönte auf einmal der Ruf: „Au feu, al fuoco, au feu!“ Wir sprangen an die Fenster und sahen längs der Esplanade ungeheure Rauchwolken und Feuersäulen gen Himmel lodern, der uns selbst bald ganz glutrot erschien. Es war jetzt, als trennte eine ungeheure hohe, an fünfhundert Schritte lange Feuerwand die alte Festung von der Stadt. Im ersten Augenblick wußte sich niemand zu erklären, was dies für ein Feuer sein könne, alles lief in Bestürzung durcheinander und die Offiziere den Palast hinab. Jetzt fand man, daß es das seit fünf bis sechs Jahren längs der Esplanade am Kanal, der sie von der Festung trennte, aufgetürmte Reserveholz der Garnison sei, wohl über tausend Klafter, welches in Brand geraten war. Durch das lange Lagern in der großen Hitze war es so ausgedörrt, daß es wie Stroh flackerte. Ob vielleicht brennende Raketenstöcke oder Bosheit dasselbe angezündet hatten, war schwer auszumitteln, doch das letzte am wahrscheinlichsten, da die Flammen in dieser großen Ausdehnung fast zu gleicher Zeit, wie auf Schwarzenbergs Ball, emporloderten. Fest und Ball waren nun natürlich schnell beendigt. Wir rannten in seidenen Strümpfen und Eskarpins zu dem Feuer, aber die Hitze war so stark, daß man sich demselben auf eine große Strecke nicht nähern konnte, und an ein Löschen mit Wasser war ohnehin nicht zu denken, da Spritzen und Feuereimer in Korfu, wo es nie brannte, ganz unbekannte Dinge und für Millionen nicht zu haben waren. Es blieb jetzt nichts anderes übrig, als so nahe wie möglich Erde und Sand aufzuwerfen, damit einen Wall gegen das Feuer zu bilden und dessen Glut allmählich zu ersticken. Gefahr für die Stadt und Festung war keine vorhanden, da das Feuer von beiden zu sehr entfernt, von der ersten durch die breite Esplanade, von der andern durch einen Kanal und hohe Wälle getrennt war; der Schaden war aber unermeßlich, weil das Holz hier ein sehr teurer Artikel ist und nach dem Gewicht zum Kochen verkauft wurde. Indessen war es gleich, indem es zehn Monate später doch in die Hände der Engländer, unserer Erzfeinde, gefallen wäre.

Immer trüber wurde jetzt der politische Horizont, das Geld immer seltener, die frischen Lebensmittel desgleichen, man schränkte sich von allen Seiten auf das äußerste ein, selbst das Theater wurde nur wenig besucht, und das Liebhabertheater ging ganz ein. Noch einige Zeit vorher hatte ich die Aufführung eines deutschen Stückes, und zwar die Räuber von Schiller, veranstaltet, wozu mich die anmutige Gattin des bei unserem Regiment stehenden Hauptmanns von Gemmingen veranlaßte, welche die einzige Frauenrolle im Stück, die Amalie, gerne spielen wollte. Das Komische dabei war, daß kein Exemplar dieses Stückes vorhanden, sondern daß ich es, so gut es sich tun ließ, aus dem Kopf niederschrieb, was mir nicht so schwer ward, da ich die Rolle des Karl Moor mit ihren Stichwörtern noch völlig auswendig wußte.

Die Nachrichten, die uns jetzt von dem Krieg in Deutschland zukamen, waren oft so widersprechend, daß man nicht wußte, was man davon denken und glauben sollte; die Wahrheit aber wurde uns absichtlich verhehlt, auch waren sie immer schon sehr alt. Zeitungen kamen gar keine mehr, und nur über Janina und Albanien erfuhr man zuweilen etwas Neues, was die von daher kommenden Griechen, nur sehr geheim und vorsichtig, mitzuteilen wagten. Immer enger wurden wir von den Engländern eingeschlossen, deren Lanzen (lange schmale Boote mit einer Kanone und vierundzwanzig Ruderern, welche zu den Linienschiffen gehören und bei Windstille den Feind angreifen) auch selbst im Kanal von Albanien auf alle Barken Jagd machten. Das frische Brot wurde so selten und teuer, daß mich Moncenigo, Capodistria und Mesulam ersuchten, ihnen doch manchmal einen Laib Offiziersbrot für drei Piaster zukommen zu lassen. Was ich an Brot ersparen konnte, gab ich ihnen umsonst; aber bald bekamen auch wir fast nur noch Zwieback aus den Magazinen, sowie abwechselnd gesalzenen Speck oder Käse. Eines Tages, es war schon gegen das Ende des Jahres 1813, als wir aber noch nichts von der Schlacht bei Leipzig wußten, kam plötzlich die Nachricht nach Korfu, daß Ali Pascha an der Spitze von dreißigtausend Mann vor Parga stehe, dasselbe zur Übergabe auffordernd und mit gänzlicher Vertilgung drohend, wenn diese nicht in kürzester Frist stattfände; die Parganioten aber seien fest entschlossen, sich eher unter den Trümmern der Stadt zu begraben, als sich an diesen Wüterich zu ergeben. Sie ließen den Gouverneur bitten, ihnen zu erlauben, ihre Weiber, Kinder und Greise nach Korfu schicken zu dürfen, um sich dann desto besser verteidigen zu können. Dies wurde ihnen nicht nur gestattet, sondern der Gouverneur ließ in der ganzen Stadt Wohnungen in Privathäusern für die Flüchtlinge in Bereitschaft setzen, die er selbst in Begleitung des Chef de l’état major besichtigte und möglichst bequem einzurichten befahl. Ein paar Tage darauf kamen über zweitausend dieser Unglücklichen auf vielen kleinen Schiffen im Hafen von Korfu an und wurden sogleich untergebracht. Unter ihnen waren auch die Frauen vieler Türken, die so wenig wie ihre Männer in Alis Hände fallen wollten; aber während die Parganioten ihr Teuerstes in Korfu wußten, und einsehend, daß sich Parga in die Länge nicht gegen die Übermacht des Pascha würde halten können, unterhandelten sie heimlich mit den Engländern, die ihnen Anträge gemacht und versichert hatten, daß es ohnehin mit der französischen Herrschaft in Korfu wie allenthalben zu Ende ginge und sie dieses nicht länger zu schützen imstande seien. Sie waren bald über die Bedingungen mit diesen einig geworden, und in einer Nacht ließen sie durch Verrat und Gewalt die Engländer in die Stadt und den Hafen, deren Kommandant samt drei- bis vierhundert Mann französischer Garnison, die aber fast nur aus Italienern bestand, nun englische Kriegsgefangene wurden. Als Ali den anderen Morgen die englische Flagge auf den Wällen der Festung wehen sah, zog er, seinen Ingrimm verbeißend oder an den Seinigen auslassend, wutentbrannt und unverrichteter Sache ab, denn mit den Engländern wagte er nicht anzubinden, während er die Franzosen nach dem russischen Feldzug und besonders nach der Schlacht bei Leipzig zu fürchten aufgehört hatte. Es kamen nun englische Parlamentäre nach Korfu, um wegen der Zurückgabe der sich hier befindenden Individuen aus Parga zu unterhandeln, die ihnen vermittelst einer bedeutenden Zahl Ochsen, Ziegen, Schafe und anderer Lebensmittel bewilligt wurde. So erhielten wir wieder auf eine Zeitlang frisches Fleisch. – Man hatte auch den Versuch gemacht, das in französischen Diensten stehende Regiment Albaneser nach Italien einzuschiffen, um es dann als Plänkler bei der französischen Armee zu verwenden; diese aber erklärten, sie hätten sich nur für den Dienst auf der Insel verpflichtet, und als man Anstalten machte, sie zum Einschiffen zu zwingen, nahmen sie eine so drohende Stellung an, daß man eiligst alle Wachen verdoppeln mußte, ihre offenbare Empörung fürchtend, und für gut fand, sie in Korfu zu lassen; man hätte sie zwar leicht überwältigen und am Ende mit Kartätschen niederschießen können, was man eben nicht tun mochte. Der Winter ging sehr still und trübselig herum, und erst geraume Zeit nach dem Neujahr 1814 erfuhren wir das Nähere über die Leipziger Schlacht; auch der Karneval ging still genug vorüber, obgleich ein neuer Impressario namens Concetta keine üble Schauspielergesellschaft aus Italien mitgebracht hatte, bei der sich eine allerliebste prima amorosa befand, mit der ich mir die jetzt so traurige Zeit bestmöglichst zu verkürzen suchte. Um diese Zeit kam uns auch die unglaublich scheinende Nachricht von Murats Abfall zu, und die zu Korfu befindlichen neapolitanischen Truppen wurden nun entwaffnet und kriegsgefangen erklärt. Jetzt erfuhren wir fast gar nichts mehr vom festen Land, da auch Otranto feindlich geworden war.

Eines Morgens, es war am Pfingstfest, wurden wir zu San Theodor plötzlich durch ein anhaltendes Knallen gleich dem, wenn Bomben platzen, geweckt und erblickten zugleich auf dem Fort Neuf einen starken Pulverdampf. Das Knallen wollte gar kein Ende nehmen, ich eilte nach Castrades, wo mir die Einwohner Korfus in Scharen entgegen kamen, namentlich die Juden mit ihren Weibern und Kindern. Alle waren verstört, mit todesbleichen Gesichtern, zitternd und händeringend, und sagten aus, man erwarte mit jedem Augenblick, daß die ganze Fortezza nuova und mit ihr die ganze Stadt in die Luft springe, denn das Pulvermagazin sei angegangen. Dies konnte natürlich nicht sein, weil sonst das Fort samt dem in seiner Nähe liegenden Judenquartier längst in die Luft gesprengt wäre, aber ich konnte mir nicht wohl erklären, was es eigentlich sei. Das Knallen und der Rauch ließen endlich nach, und ich erfuhr, noch ehe ich die Stadt erreicht hatte, durch einen Artillerieoffizier, daß ein Kanonier, der im Laboratorium, das dicht am Pulvermagazin war, nebst anderen gearbeitet, bei dem Füllen von Bomben so unvorsichtig gewesen sei, mit einem Stein an eine derselben zu klopfen, wodurch die eben gefüllte Bombe Feuer gefangen und zerplatzt sei und sich dadurch nach und nach über fünfhundert daliegende und bereits gefüllte Bomben entzündet hätten, ohne weiteren Schaden zu verursachen, als einige Arbeiter, die sich geflüchtet, zu verletzen. Glücklicherweise war das Laboratorium durch eine sehr dicke Mauer von dem Pulvermagazin geschieden, denn wäre dieses gesprungen, so wäre sicher die halbe Stadt mit in die Luft gegangen, da es bis oben mit Pulverfässern gefüllt war. Die geängstigten Einwohner und Juden kehrten erst gegen Abend, als alles längst vorüber war, in ihre Quartiere zurück.

Allmählich fing man in Korfu an, obgleich man alle Augenblicke große Siegesnachrichten, die Vertilgung der Alliierten und so weiter verkündend, verbreitete, sich mit allerlei sonderbaren Gerüchten ganz geheim herumzutragen; man munkelte sogar von einer Einnahme von Paris und dergleichen, aber niemand von der Garnison wollte solchen Nachrichten Glauben schenken, als eines Mittags ein Schiff mit zwei weißen Flaggen – die eine als das Zeichen eines Parlamentärs, die andere konnte man sich nicht erklären – einlief und mehrere englische und französische hohe Offiziere landeten und sich zum Gouverneur begaben. Noch denselben Tag klärte ein Tagesbefehl zum ebenso großen Erstaunen als zur Bestürzung der Garnison die Sache auf. Er verkündigte nicht nur Napoleons Abdankung, die Einnahme von Paris durch die Alliierten, sondern auch zu gleicher Zeit die Wiedereinsetzung der Bourbonen auf den französischen Thron und befahl für den folgenden Tag die Annahme der weißen Kokarde und die Abnahme der dreifarbigen, ferner die nahe bevorstehende Übergabe Korfus an die Engländer und so weiter. Wir waren fast alle wie aus den Wolken gefallen, denn so etwas hätte sich niemand auch nur im Traum einfallen lassen; noch zwei Tage vorher hatte man einen großen Sieg Napoleons über die Heere der verbündeten Mächte, die alle in völliger Auflösung begriffen seien, bekannt gemacht, und nun eine solche Gewißheit! Man fragte sich, ob es auch wahr, ob es möglich sei, ob man nicht träume? – Die Sache kam mir um so ungelegener, als ich erst vor ein paar Wochen von dem Gouverneur zum Bataillonschef bei dem Kriegsminister vorgeschlagen worden war; die erwartete Ernennung ging nun in die Brüche sowie alle Träume von künftigen Generalepauletten, Marschallsstab und so weiter.

Zwei Tage nach der Ankunft dieses Parlamentärs legte sich die englische Flotte, aus einigen dreißig Segeln bestehend, unter denen mehrere Linienschiffe, Fregatten, Korvetten, Briggs und so weiter, in der Reede von Korfu vor Anker. Einige Tage später kam auch die französische Flotte, fünf Linienschiffe stark, unter denen zwei Dreidecker, mehrere Fregatten, Korvetten und so weiter, von Toulon an, endlich erschienen mehrere italienische und neapolitanische Kriegsschiffe, von Genua, Neapel und Venedig kommend, um die diesen Ländern angehörigen Truppen abzuholen. Die französische Flotte hatte links von der englischen und die Italiener rechts von derselben Anker geworfen. Alle diese Schiffe waren in zwei Linien der Stadt gegenüber aufgestellt und gewährten einen sehr imposanten Anblick. Jeden Morgen, nachdem die Reveilleschüsse gefallen waren, spielte die Musik der Linienschiffe der Reihe nach, und den ganzen Tag wimmelten Hafen und Reede von unzähligen kleinen Booten, die von einem Bord zum anderen fuhren.