Den Abend brachte ich mit der Familie traulich beim Tee zu; auch wollten wir die berühmte Gose, so wird das hier gebraute Bier genannt, kosten, aber niemand fand sie nach seinem Geschmack. Nachdem wir die Partie auf den Blocksberg für den anderen Morgen noch ausführlich besprochen, trennten wir uns, alle ermüdet, ziemlich früh. Ich begab mich aber dennoch nicht zur Ruhe, sondern paßte Sophien ab, als sie zum letztenmal das Zimmer ihrer Herrschaften verlassen, und empfing sie auf der Stiege. Nicht ohne Mühen und Sträuben beredete ich sie, noch ein Stündchen auf meinem Zimmer verplaudern zu wollen, und wir trennten uns erst in der Geisterstunde. Um vier Uhr des Morgens weckte mich aber der Hausknecht, wie ihm anbefohlen war, schon wieder, und ich schickte mich zur Besteigung des Blocksberges an. Gegen sechs Uhr waren wir alle reisefertig, ausgenommen die Frau Baronin, welche, Migräne vorgebend, bedauerte, nicht mit auf den Hexenberg zu können. Wir fuhren über Neustadt, stiegen aber sehr oft aus, da der Weg schlecht und oft gefährlich war, wobei ich dann der jungen Baronesse meinen Arm zur Stütze bot, was auch freundlich angenommen wurde. Die letzte Strecke legten wir, auf Rossen reitend, die der mitgenommene Führer besorgte, zurück. Das Fräulein, an dessen Rechter ich ritt, machte eine stattliche Figur zu Pferde, doch mußte ich ihr manchmal, wo die Stellen zu holprig waren, zu Hilfe kommen und sie in meinem Arm auffangen, wenn sie durch das Stolpern des Pferdes das Übergewicht zu verlieren schien. Der Baron ritt mit Sophien vor uns her, und ein Bedienter hintendrein. So erreichten wir endlich den berüchtigten Riesen des Harzgebirges, der alle anderen Bergspitzen desselben weit überragt. Der Boden ist sehr steril und öde, große Granitblöcke liegen ringsumher, und man glaubt sich wirklich mitten auf einem Hexenfeld, auf dem die Großsatanatische Majestät samt dem Hexen- und Teufelspack mit Steinblöcken gekriegt und geworfen. Das im Jahre 1800 hier aus Stein erbaute Brockenhaus bietet Schutz, Bequemlichkeit und stärkende Erfrischungen dem müden Wanderer. In der Mitte desselben ist ein kleiner Turm. Man kann nötigenfalls hier übernachten, und zwar in besseren Betten als in manchem Gasthaus kleiner Städte. Das Fräulein hatte auch große Lust, ein nächtliches Abenteuer auf dem nicht geheuern Berg zu bestehen. Ich hatte nichts dawider, aber der alte Baron legte sein Veto ein, und so wurde nichts daraus.

Wir nahmen vor dem gastfreundlichen Brockenhaus ein frugales, aber doch sehr wohlschmeckendes Mahl ein, wobei dem Baron der Wein so mundete, daß er nach der Beendigung desselben durchaus eine Siesta zu machen begehrte, wozu man ihm ein Stübchen mit einem Lager anwies, und mir die Aufgabe, das Fräulein unterdessen zu unterhalten, überließ, was ich denn auch nach besten Kräften zu tun versuchte, indem ich sie, von der Walpurgisnacht erzählend, zwischen dem wilden Gestein umherführte, und während ich ihr den Spuk recht fürchterlich ausmalte, sie, um ihr bei holprigen Stellen über die Steine zu helfen, fest in dem Arm hielt und die schlanke Gestalt innig an mich drückte, wobei sogar unsere Wangen in Berührung kamen, sich röteten, glühten, und unversehens sich unsere Lippen zu minutenlangen Küssen zusammenfanden. Wir verirrten uns nun immer weiter von dem Gasthaus. Ich lud Wallfriede, so hieß das Fräulein, ein, sich niederzusetzen, während ich fortfuhr, sie mit schauerlichen Hexengeschichten zu unterhalten, ruhte ihr Köpfchen an meiner klopfenden Brust, und bald fühlte meine Rechte das hochpochende Schlagen ihres Herzens unter ihrem wallenden elastischen Busen. Beinahe zwei Stunden hatten wir so vertändelt, als uns die sich immer mehr sinkende Sonne und auch Sophiens, nach dem Fräulein rufende Stimme zur Rückkehr und zum Aufbruch mahnte. – „Ist Papa wach?“ fragte sie die sich nun lächelnd zeigende Zofe. – „Noch nicht, aber man wird den gnädigen Herrn wohl wecken müssen, sonst wird es zur Heimkehr zu spät.“ – Wir eilten jetzt, nachdem Fräulein Wallfriede ihre Toilette mit Hilfe des malitiös lächelnden Mädchens ein wenig adjustiert hatte, in das Haus zurück, wo der Papa noch vortrefflich schlief. Die Tochter übernahm es, ihn aus dem erquickenden Schlummer zu wecken. Über Kopfschmerzen klagend, richtete er sich, die Augen reibend, auf, und schnell wurden die Anstalten zur Heimkehr gemacht. Als wir Ilsenburg erreichten, fing es schon an, sehr dunkel zu werden. Nachdem wir in Neustadt soupiert, fuhren wir die halbe Nacht durch. Papa schlummerte auch in dem Wagen bald ein. Das mir gegenüber sitzende Fräulein aber verhinderte ich am Einschlummern, indem ich auch eine Art Hexenspiel mit ihr trieb, bei dem sie sich recht wohl zu gefallen schien, während Sophie, die neben mir saß, ihr Köpfchen auf meine rechte Schulter legend, gleichfalls schlummerte oder doch wenigstens so tat. Wir witterten schon Morgenluft, als wir in Goslar ankamen, wo wir trotz der Einsprache der alten Baronesse noch einen Tag verweilten, weil der Baron behauptete, durchaus einen Tag von den Strapazen der Blocksbergsreise ausruhen zu müssen. Dies war uns allen recht, obgleich sich keine Gelegenheit mehr zeigte, mit dem Fräulein allein zu sein, wogegen mir aber wieder der nächtliche Besuch der Zofe ward.

Von Goslar fuhren wir bis Kassel, wo die Herrschaft mehrere Tage ausruhte und ich dasselbe tat, wie es die Umstände eben gestatteten, dem Fräulein und der Kammerjungfer abwechselnd Beweise von meiner Zuneigung gebend, wobei aber die letztere die Vertraute der ersten war, ohne daß Wallfriede ahnte, wie sehr mich auch diese begünstigte; sie glaubte, die kleinen Geschenke, die ich ihr machte, seien die Belohnung für die Gefälligkeiten, die sie ihrer jungen Herrin erzeigte. Die freiherrliche Familie fuhr den zweiten Tag nach Wilhelmshöhe, wohin ich sie zu Pferde begleitete, und dann in ihrer Gesellschaft den Park, die Löwenburg, die Danaidengruppe, das chinesische Dörfchen, die Teufelsbrücke und so weiter, im Grunde nur kostbare Spielereien, besah. Da der Baron und ich ein paar Dukaten springen ließen, so sprangen auch die Wasser. Wir gingen längs der Kaskade hinauf bis zum Oktogon und zur Riesenbildsäule des Herkules, in dessen Keule ich mit den beiden Mädchen stieg, die Alten blieben unten. Auch hier gab ich Wallfrieden die untrüglichsten Beweise meines Wohlwollens, während Sophie durch die Öffnung der Keule nach oben zu die mächtige Mannbarkeit des Kolosses bewunderte, und dann lachend auch ihr errötendes Fräulein darauf aufmerksam machte. Das schöne Schloß zu Wilhelmshöhe konnten wir nicht betreten, da Seine königliche Hoheit der Zopfheld Kurfürst Wilhelm III. gerade dasselbe bewohnte. Als wir um das prächtige Bowlingreen an demselben herumgingen, hatten wir das Glück, seine widerliche Mißgestalt hinter einem Fenster neben der famosen Gräfin Schlotheim stehen zu sehen, worauf uns unser Cicerone aufmerksam gemacht. Ein paar Tage zuvor hatte ein Engländer sich erlaubt, dem Kurfürsten zum Trotz mitten über diesen prächtigen Rasen zu reiten, und zwar im Galopp. Der freche Insulaner hatte geäußert, er wolle dem fürstlichen Seelenverkäufer, der seine Untertanen für schnödes Geld an seine Regierung verkauft und von diesem Blutgeld solche Gelüste befriedigt habe, einen kleinen Ärger verursachen. Jedermann erwartete eine exemplarische Strafe des kühnen Briten. Der alte Kurfürst war aber so klug, als man bei ihm anfragte, was da zu tun sei, es bei einer polizeilichen Strafe von einem Taler bewenden zu lassen. Er fürchtete die Engländer und wußte, wie sehr sie durch ihre Regierung allenthalben in Schutz genommen werden. Hätte sich aber ein Deutscher so etwas einfallen lassen, wie möchte es diesem wohl ergangen sein? – Der Brite bezahlte zwar die Strafe, ließ es aber dabei noch nicht bewenden, sondern spazierte erst mit einem fast schenkeldicken Zopf, der bis an die Kniekehle hinabreichte, und dann sogar mit vier, fünf, bis beinahe zur Erde herabhängenden Zöpfen vor dem Schloß auf und nieder. Seine Hoheit war aber so klug, auch hiervon keine weitere Notiz zu nehmen.

Die Zopfwut dieses Fürsten war eine krankhafte Manie. Gleich nach seiner Rückkunft aus England, wohin er sich vor den Franzosen geflüchtet, mußten alle seine Soldaten und Offiziere sich falsche Zöpfe anbinden, da ihre Haare längst abgeschnitten waren, gepuderte Locken tragen und so weiter. Einige banden die Zöpfe an ihre Haare, andere, welche dieselben nicht lang genug hatten, befestigten sie an die Hüte. Als einst der Kurfürst aus dem Schloß kam und die Wache schnell ins Gewehr treten mußte, sah er, daß ein Offizier derselben zwei Zöpfe hatte. – „Was, der Teufel, soll das heißen?“ kreischte Seine Hoheit. „Will man mich zum besten haben?“ – Der Offizier konnte sich nicht erklären, was der Kurfürst damit sagen wolle. – „Warum hat man zwei Zöpfe?“ donnerte die alte Hoheit. – Der Offizier griff mit der linken Hand an seinen Schopf und fühlte mit Entsetzen, daß da zwei Zöpfe herabhingen. Die Sache klärte sich dadurch auf, daß er den Hut eines Kameraden, der ihn gerade besuchte und der seinen Zopf an demselben angebracht, während er den seinigen an seinen Haaren befestigt hatte, in der Eile genommen. Nichtsdestoweniger erhielt er Arrest und es kam ein Befehl heraus, daß niemand die Zöpfe mehr an den Hüten befestigen dürfe, sondern alle an die Haare gebunden sein müßten, bis diese groß genug seien, um selbst ein für die Kriegskunst so hochwichtiges Ding formieren zu können. Diese Zopfwut des Kurfürsten wurde in ganz Europa bespöttelt. Das half aber nichts, sondern machte Seine Hoheit nur um so obstinater, und er setzte sogar eine Prämie auf eine den Haarwuchs schnell fördernde Salbe oder Pomade, um noch das Vergnügen zu haben, zu erleben, seine Soldaten keine falschen Zöpfe mehr, sondern echte tragen zu sehen. Dies Vergnügen sollte ihm indessen nicht mehr zuteil werden. Einige Offiziere jedoch, die das Glück hatten, daß ihre Haare schneller, als es gewöhnlich ist, wuchsen, und dem Fürsten daher mit echten Zöpfen aufwarten konnten, was sie wohlweislich anzubringen wußten, hatten sich dessen außerordentlicher Gnade, einer Zopfgratifikation und des Versprechens eines schnellen Avancements zu erfreuen.

Den dritten Tag fuhren wir nach Marburg ab, wo wir die Elisabethkirche besuchten, und dann die Reise über Gießen und Friedberg nach Frankfurt fortsetzten, wo wir spät in der Nacht ankamen und auf meine Veranlassung sämtlich im Englischen Hof abstiegen, da auch ich die Meinigen so spät nicht mehr beunruhigen mochte.

XII.
Frankfurter Zustände. – Schwierigkeiten bei einer Verheiratung. – Ich soll mich um eine Anstellung in Frankfurt bewerben, gebe es aber schnell wieder auf. – Senatorenstreiche. – Ich beabsichtige eine Zeitschrift herauszugeben. – Die Gräfin Sürvilier und ihre Töchter. – Napoleons beabsichtigte Befreiung. – Hausen. – Frau von Busch. – Homburg. – Ich schwinge etwas derb die Geißel der Satire in meiner Zeitschrift; diverse Histörchen und Widerwärtigkeiten. – Signora Catalani in Frankfurt. – Napoleons Tod. – Fürst Y...s trauriges Ende. – Müller-Broli. – Der Jude Dobrusky. – Ein Besuch von sieben Schauspielern. – Die Sängerin Canzi. – Verbot meiner Zeitschrift. – Eine lustig-romantische Rheinreise. – Die Schlangenmädchen. – Therese Peche. – Ich bilde sie für das Theater.

Den anderen Morgen eilte ich um acht Uhr in das elterliche Haus, wo ich schon seit mehreren Tagen erwartet und wieder recht freudig aufgenommen wurde. Eine nicht unbedeutende Erbschaft hatte die Vermögensverhältnisse meiner Eltern, die nicht mehr die glänzendsten gewesen, wieder gehoben, und man hieß mich herzlich willkommen. – Ich machte abermals meine Rundbesuche bei der werten Verwandtschaft, bei der ich zum Teil süße, zum Teil saure Gesichter zu sehen bekam, indem mehrere der guten Vettern und Basen sich große Sorgen um mein künftiges Fortkommen und was wohl noch aus mir werden solle, machten, während dies mein geringster Kummer, obgleich ich darüber noch mit mir selbst nicht im Reinen war. In den ersten Tagen nach meiner Ankunft machte ich noch den Führer der freiherrlichen Familie und zeigte ihr die Sehenswürdigkeiten meiner Vaterstadt, wobei ich auch nicht unterließ, mit Wallfrieden und Sophien den alten verschwiegenen Pfarrturm zu besteigen, um ihnen die herrliche Aussicht, die man von diesem genießt, und die Umgebung Frankfurts zu zeigen. Einige Tage nach ihrer Abreise unternahm auch ich eine Reise, und zwar nach Paris, denn es zogen mich die Erinnerungen meines ersten Dienstes wieder nach Frankreich, wo ich nach Umständen und wenn es anginge, eine Anstellung nehmen wollte. Hier fand ich aber alles ganz verändert und sehr verschieden von den früheren Verhältnissen. Die mit Ludwig XVIII. zurückgekehrten Emigranten saßen am Ruder und regierten so, daß jedem Unbefangenen einleuchten mußte, dies könne nicht von Dauer sein, und ich bekam gar keine Lust, nur den mindesten Versuch zu machen, um eine Anstellung zu erhalten. Ich blieb deshalb kaum acht Tage in Paris, während denen ich mich fast ausschließlich damit beschäftigte, mir die Werke, Broschüren und sonstigen Hilfsquellen anzuschaffen, die mir Carnot zu der Herausgabe meines historischen Werkes über die französische Revolution als notwendig empfohlen hatte. Es gelang mir, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten und Mühe, die meisten aufzutreiben. Auch kaufte ich noch viele nicht bezeichnete Bücher, die mir bei dieser Gelegenheit in die Hände fielen, und die ich zu meinem Zweck dienlich glaubte. Ich kehrte nun mit einer großen Kiste Bücher beladen nach Frankfurt zurück und machte mich ernstlich ans Werk, obgleich die wenigen Personen von meinen Verwandten, denen ich das Vorhaben mitteilte, und unter ihnen auch mein Oheim Weller und Franz Fahrtrapp, ein Nachkomme des alten Franz, den wir am Anfang dieser Memoiren kennen gelernt, und der eine Kunst- und Buchhandlung, große Druckereien und so weiter hatte, sehr ernstlich von einem so schwierigen Unternehmen abrieten, wozu ich schwerlich einen Verleger finden würde, da schon Hunderte von Büchern über diesen Gegenstand auch in deutscher Sprache, zum Teil von sehr tiefgelehrten Leuten erschienen seien, und keines ein großes Glück gemacht habe. Der Hauptgrund ihres Abratens aber mochte wohl der sein, daß sie mir als einem, der nicht auf Universitäten gewesen, also nicht systematisch studiert habe, die Fähigkeit, ein Buch zu schreiben, nicht zutrauten. Gar viele Deutsche, und besonders grundlos tiefe Gelehrte und solche Buchhändler, von denen schon Voltaire sagt: „Sie glauben Verstand zu haben, weil sie den anderer Leute in ihren Buden verkaufen,“ sind in diesem Köhlerglauben befangen; bei ersteren ist es jedoch meistens nur schlecht versteckter Brotneid.

Ein erfreuliches Ereignis hielt mich indessen für den Augenblick ab, mich dieser historischen Arbeit, die anfing, mir Vergnügen zu machen, anhaltend zu widmen. – Meine Schwester wurde die Braut eines angesehenen Beamten eines Nachbarstaates, und mir ward jetzt der Auftrag, alle die bei solchen Umständen in Frankfurt stattfindenden Schwierigkeiten, die mit viel Laufereien, allerlei Eingaben und Schreibereien, zum Teil unangenehmen Gängen und Mahnungen verknüpft sind, wobei man mehrere Monate hingehalten wird und es hauptsächlich auf Prellereien und Gelderpressungen abgesehen ist, zu beseitigen. Ich konnte mit den Herren vom Amte gar nicht fertig werden, da immer wieder neue Anfragen gemacht, allerlei Papiere und Atteste herbeigeschafft werden sollten und auf dem jüngeren Bürgermeisteramt, dem die Heiratsangelegenheiten obliegen, dennoch nichts gefördert wurde. – „Ja, haben Sie sich denn schon mit dem Aktuar Bingel verständigt?“ fragte mich einer der hochweisen Senatoren. – „Wieso,“ erwiderte ich, „was habe ich denn mit diesem abzumachen?“ – „Mein Gott, das wissen Sie nicht? Das ist ja der rechte Arm auf dem Bürgermeisteramt, der eigentliche Bürgermeister, denn der wird nicht gewechselt. Werfen Sie diesem ein paar Dukaten in die Rippen, dann wird Ihre Sache weit schneller gehen. Wenn man gut fahren will, so muß man auch gut schmieren.“ Und dies war einer der Senatoren, ein Zweiundvierzigstel der Frankfurter Souveränität, der mir diesen freundschaftlichen Rat erteilte! – Auf ein paar Dukaten kam es hier natürlich nicht an, und ich warf ihm sechs Brabänter in die Rippen. Als ich aber hörte, daß die Sache dennoch über sechs Wochen dauern könne, und dies meinem zukünftigen Schwager mitteilte, der ohnehin von dem Frankfurter Bürgerrecht, das jene Herren so hoch anschlagen, als könne es schon allein glücklich machen, und das man mit der Verheiratung einer Frankfurter Bürgerstochter in Anspruch nehmen kann, gar nichts wissen wollte, so beschlossen wir, den hochweisen Herren ein Schnippchen zu schlagen. Der Bräutigam ließ sich von seinem Souverän die Erlaubnis zur Trauung geben, und sodann, in Offenbach vom Oberpfarrer Waldeck, demselben, bei dem ich konfirmiert worden war, trauen, und führte dann seine junge Frau vergnügt heim. – Unterdessen kamen noch fortwährend Schriften und Anordnungen vom Bürgermeisteramt, die da besagten, jetzt müsse noch dieses und jenes herbeigeschafft werden und so weiter, bis ich mir die Mühe gab, noch einmal selbst auf den Römer zu gehen und die Herren zu bitten, sie möchten sich doch keine vergebliche Mühe und Arbeit mehr machen, meine Schwester sei bereits schon seit länger als einer Woche verheiratet und mit ihrem Mann auf und davon. – Ich glaube, wenn ich den Leuten den Untergang der Stadt Frankfurt prophezeit hätte, so hätten sie keine längeren, verdutzteren und einfältigeren Gesichter machen können. Sie stierten mich mit großen Kalbsaugen und sperrweit geöffneten Mäulern an. Besonders aber schien der Herr Bürgermeister ganz verblüfft, und als er endlich etwas von seiner Perplexität zurückgekommen war, geruhte er zu stottern: „Wa–wa–was haben Sie gesagt?“

„Daß meine Schwester schon über acht Tage verheiratet ist, und mit ihrem Gatten die Stadt und deren Gebiet verlassen hat.“

„Wie–wie–wie ist das möglich?“