Indes der Vater wirkt die Form und Art.
So Lieb’ und Kraft und Wort in eins verschlungen,
In ew’ger Liebesglut von sich durchdrungen.“
„Also ist ein Gott / und 3 unterschiedliche Persohnen in einander / und kan keine die andere fassen oder aufhalten / oder der andern Vhrsprung ergründen / sondern der Vater gebähret den Sohn / und der Sohn ist des Vaters Hertze / und seine Liebe und sein Licht / und ist ein Ursprung der Freuden / und alles Lebens anfang.
Und der Heilige Geist / ist des Lebens Geist / und ein Formirer und Schöpffer aller dinge / und ein Verrichter des Willens in GOtt / der hat formiret und geschaffen auß dem Leibe und in dem Leibe des Vaters alle Engel und Creaturen / und hält und formiret noch täglich alles / und ist die schärffe und der lebendige Geist Gottes: Wie der Vater das Wort auß seinen Kräfften spricht / so formts der Geist.“[461] Tieck zupft aus diesem confusen Gewebe einzelne Fädchen heraus und webt sie aufs neue in seiner Stanze zusammen. Welcher es dem andern an geheimnisvoller Dunkelheit zuvorthut, ist schwer zu entscheiden. — In der letzten Strophe der Vision heißt es:
„Wie Strahlen giengen Engel aus und ein,
Entzückt in der Dreieinigkeit zu spielen...“
Dieses Spiel der Engel in Gott erwähnt auch die „Morgenröthe“ öfters. Bei Schilderung der Freude der Engel liest man:[462] „es war alles ein herztlich Liebe-spiel in GOtt...“ Wie Gott in seiner Veränderung unbegreiflich ist und in seinem Liebespiel, „Also sollten auch die Geisterlein oder die Liechterlein der Engel / welche seind wie der Sohn GOTTES / für dem Hertzen GOTTES in dem grossen Liechte fein sanft spielen / darmit die Freude im Hertzen Gottes möchte vermehret werden / und möchte also in GOtt ein Heiliges Spiel seyn.“[463]
Hie und da trifft man noch eine Wendung in der „Genoveva“, der Vorstellungen aus Jakob Böhme zugrunde liegen. Böhmes Vorstellung von den verschiedenen Geistern, die im Menschen thätig sind, z.B. steckt in Phrasen, wie „alle Geister (sc. der Gebärenden) nach Hilfe schreien“[464] und „wenn sich die innern Geister alle lösen“ (beim Sterbenden).[465] Auch das „himmlisch Freudenreich“[466] wäre zu nennen.