Doch da bemerkte sie plötzlich, daß sich Kony, der Spitz, und der Dragoner verwundert anschauten. Die beiden blinzelten einander vertraulichst zu und der Dragoner sagte dem Kony etwas ins Ohr. Die beiden hatten scheinbar etwas miteinander. Und der Kony lachte wie ein Mensch, antwortete und nickte.

Da brach die Masse der Lärm-Infanteristen in schallendes Gelächter aus: „Nacht, Frau Major! . . . Nacht, Frau Major! . . . Nacht, Frau Major! . . .“ Aber standen dabei gar nicht stramm und das empörte sie. —

Sie zündete das Licht an.

Sie betrachtete ihren Dragoner lange. Der aber sah sich sehr genau in ihrem Zimmer um. Er war wirklich ungeheuer und ganz gelb. Und die Beate fragte sich, an wen erinnert mich der nur. Und sie mußte sofort an das Café Krenkel in der Madenstraße denken. Das war auch ganz gelb. Gelbe Vorhänge, gelbes Licht, und die Musik war gelb. Und sie entsann sich, daß sie dort den letzten Samstag auf einen kleinen runden Marmortisch gestiegen war, (— auch die Wally und die Mizzl waren dabei! —) den

Fuß in den Aschenbecher setzte . . . schrie, das seien Steigbügel . . . und gleich davonreiten wollte, — wohin, das wußte sie selber nicht, durch die Luft! Ach, sie war ja so oft schon dort betrunken. Und sann weiter nach: Man hatte sie ja dort auch schon so oft hinausgeschmissen. Doch plötzlich auffahrend, ganz unvermittelt: „Mein Eisschrank . . . und Wachs . . .“

Nur der glänzende aufgedrehte Schnurrbart, das rote Gesicht, die ungeheuere, immer noch glimmende Zigarre mitten drin, die waren ja ganz lebendig. Und sie bemerkte auch, daß er große und sehr feuchte Hände hatte. Und sie dachte sehr versonnen, mechanisch weiter: „Wasser ist genug da, die zu waschen, auch Sandseife . . . auch ein großes frisches Handtuch ist da . . . er kann sie darnach daran abtrocknen . . .“

Er schnallte den Säbel ab, der sehr groß war. Viel größer als die Seitengewehre der windigen Infanteristen, stellte sie zufrieden fest. „Die Schmierer, die schiachen . . .“

Aber er sprach auch so gar nichts.

Was tat er denn? Hatte er sich nicht bei ihr einfach eingeschmuggelt? Kümmerte er sich denn überhaupt um sie?

Und unermeßlich erdehnte er sich plötzlich, ragte durch die Decke, die blitzende Helmspitze hartnäckig in den tiefblauen Nachthimmel bohrend. Das flimmerte. Es tropfte. Ein dichter Goldregen stieb prasselnd nieder. Und der Säbel, plötzlich ein endloses Seil, an dem die Erde schwebte, das Himmel und Erde verband . . . und plötzlich ein eiskalter Wasserstrahl, der jäh niederfuhr, mitten durch, ein Blitz.