Kindheit
Heinrich Franz Bachmair dankbar
Kurt war von Frau Schaa eingeladen worden, er schüttelte Äpfel von den Bäumen, las sie auf und sammelte sie in Körbe, die er ins kleine Haus trug, das darnach roch.
Durchs Fenster sah Kurt Frau Schaa wieder. Sie hatte ein langes, dünnes Kleid an, das die untergehende Sonne blutig durchfuhr.
Der Photograph Schaa arbeitete gebückt, zog Rettiche aus und hüstelte.
Frau Schaa trat ins kleine Haus, nahm einen bunten Schal auf und führte Kurt an der Hand heraus, schnitt ihm eine Rose ab und steckte sie ihm langsam ins Knopfloch.
Frau Schaa und Kurt setzten sich auf den Rand des Zierbrunnens und wuschen die Rettiche.
Zu Hause fragte Kurts Vater, der Gerichtsvollzieher Vogt, wie es bei Schaas gewesen sei. Kurt fuhr auf, er hatte gerade an Frau Schaa gedacht . . . und er bemerkte die Mutter, die, über den Suppenteller gebückt, hineinschluchzte. Er hat sie wieder geschlagen, sagte sich Kurt, und schwieg, trotzdem ihn der Vater zum zweitenmal fragte. Ein weißer, fast plastischer Streifen, zog sich über die Wange der Mutter —: ein Striemen. Dahin hat er sie also getroffen, und mit dem Stock wieder, erklärte Kurt sich selbst . . . und das ganze Gesicht ist angeschwollen und blutunterlaufen, auch der Hals ist blutig, voll von Nägelspuren, roten Flecken und Bißwunden. Er hat sie wieder gewürgt. Er widersprach dem Vater trotzig:
„Laß mich!“
Herrn Vogts Gabel pfiff über den Teller.