war. Ein höckriger Mond humpelte über schräge Silberflächen. Weißer Nebel stieg. Roch schwer. Der Himmel aber, der Stadt zu, rot entzündet. Doch die Nacht vollkommen weiß. Ganz von kühlen Residenzen durchbaut. Menschen, Wagen, anmarschierende Paradetruppen, Trommeln, Pfeifen, Zylinder, Tanzschimmel, Taktstock wirbelten, und immer noch der eine, der schoß, Rakete, zwischendurch, geröteten Kopfs, heiser, Quollaugen, Zunge lang aus dem Maul: „Hoch! Hoch“ . . . und die Pappeln zu beiden Seiten, trotz Nacht sehr grün leuchtend, zuckten heftig.
Hans Marterer wiederholte sich: „Sie werden sich ja doch alle einmal in die Arme fallen, auf eine kurze, selige Zeit: ‚Seht! Seht!‘ werden sie einander zurufen . . . ‚Seht! Seht!‘ . . . und: ‚daß wir es nicht gesehen haben, daß unsere Augen so mit Blindheit geschlagen waren . . . seht! seht! . . .‘ und werden Tore einrammen, Paläste verbrennen und — die Majestät im Hemd ertappen.“
Er trieb einer Kreuzungsstelle von Trams zu. Teeröfen qualmten. Schienenhobel scharrten. Feuerschein. Pechflammen entstiegen. Nackte Rußmänner mit behaarter Brust sprangen fluchend und heulend umher, Eisenhauen geschultert. Unterhalb zerfallenem Haustor italienisches Mädchen, bunten Kopftuchs, zerschlissenen Schals: „Maroni, Herr, Maroni . . .“
Sie kicherte immerfort, wie irrsinnig.
Marterer blieb stehn. Senkte nachdenklich den Kopf, halb zur Seite geneigt, und ihn überkamen wieder geräuschvolle Riesenbrände und Revolutionen. Tiefer neigte er. Wollte
Boden mit Wange berühren. Aufgelöst, dankbar. Der auch ihr Boden war! Die Knie zitterten. Noch ließ er sie nicht los . . .
(. . . Der Jagdgehilfe krümmte sich . . .)
Marterer zuckte hoch. —
Er sah sie wieder in der „Großen Oper“. In der „Götterdämmerung“. Wieder acht Tage hernach. Er schwitzte. Er dachte: „Gott! Welche Musik!“
Sie aber saß dicht vor ihm, Goldkette um den Hals, Haar in einem Knäuel, daneben ein kleiner Bauchherr, roter Glatze und Faltennackens. Marterer seufzte: „Gott, welche Gesellschaft!“