Es ist Bosnien noch ein von der Cultur nicht belecktes Land und wenn man daran geht, es der Cultur entgegenzuführen, ist es gewiss erwünscht, von Haus aus im administrativen Wege vorzusorgen, dass jene Auswüchse verhindert werden, die mit unseren wirthschaftlichen Einrichtungen im Allgemeinen verbunden sind und gegen welche, wenn sie einmal einreissen, kaum mehr Abhilfe gefunden werden kann.

Diese Länder stehen am Anfange einer wirthschaftlichen Entwicklung, deren Ende erfahrungsgemäss krasser Luxus und Ausschweifung neben grenzenlosem Elende ist und würde man es der Regierung gewiss Dank wissen, wenn sie dem Capital zu diesem Lande den Weg nur unter der Bedingung eröffnet, dass es dasselbe mit mässigem Gewinn befruchtet und den Nutzen mit dem Arbeiter redlich theilt. Dass auf diese Weise nicht nur das Land, sondern auch das Volk rasch der Cultur gewonnen wird, ist nicht zu bezweifeln.

Die Socialwissenschaft verspricht Ausserordentliches von der Organisation der Arbeit und wenn auch der Erfolg im Voraus nicht ermessen werden kann, so ist doch wahrscheinlich, dass die Gesellschaft jedem Bewohner bei mässiger Arbeit eine gesunde und reinliche Wohnung, reichliche Kleidung, endlich eine reichliche und vortrefflich bereitete Nahrung in öffentlichen Speisehäusern wird bieten können, dass an die Stelle elenden Brantweines gutes Bier und Wein treten wird, dass die Arbeiter guten Tabak rauchen, dass alle Arbeiten durch Maschinenbetrieb erleichtert werden.

Die Einwohner werden sich dann erst als Menschen fühlen können.

Die freie Zeit soll dem Arbeiter zur Erholung und geistigen Anregung dienen; man wird Spiele und Belustigungen, Schaustellungen aller Art einführen, die der Auffassung des Volkes entsprechen und Jedermann unentgeldlich offen stehen, man wird womöglich die traditionelle Volkspoesie entwickeln, den Gesang und den nationalen Tanz und dergleichen fördern und Allem schrittweise ein civilisirteres Gepräge zu geben trachten; man wird in Ermangelung anderer Zerstreuungen des Abends vom Priester, Arzt oder Lehrer Vorträge halten lassen, die anregen und belehren, zugleich aber erziehlich einwirken und das Volk daran erinnern sollen, wie seine Zustände sich verändert haben und um wie viel glücklicher unter der väterlichen Fürsorge des Kaisers sie sich gestalten als in anderen, viel reicheren Ländern und wird es bald möglich sein, den Eindruck solcher Belehrungen durch kleine theatralische Productionen zu verstärken.

Diese Vorschläge mögen befremdend erscheinen, wenn wir aber an das panem et circenses der Römer, die Aufgabe der Aedilen und Anderes denken, was auch in alten Zeiten die Staatsklugheit ersonnen hat, so wird man finden, dass in den angedeuteten Richtungen nichts so unbedeutend ist, dass man es geringachten könnte. Man wird aber auch finden, dass man heute zu Tage, bei dem enorm gesteigerten Ertrag der Arbeit und der vorgeschlagenen Einschränkung des Capitalgewinnes ganz Ausserordentliches wird bieten können.

Dagegen tauscht man ein: Ablieferung der Waffen, Conscription der Bevölkerung, Beaufsichtigung jedes Einzelnen, Unausführbarkeit der Revolte und des bewaffneten Widerstandes, unausgesetzte Bearbeitung des Volkes zu Gunsten der kaiserlichen Regierung, der für Alles das Verdienst vindicirt wird.

Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Zivilisirung des Volkes in Bosnien auf diese Weise leicht und rasch ausführbar erscheint, sonst aber schwerlich erreicht wird. Es ist dabei in Betracht zu ziehen, dass der Slave mehr als eine andere Nation zur Vergesellschaftung neigt und den Individualismus zu opfern bereit wäre. Es ist das vorgeschlagene System, besonders, da das Gesellschaftseigenthum schliesslich dem Staate, also dem Lande anheim fällt, eine Art von Ausdehnung des Systemes der Zadruga, wovon die Firma der Gesellschaft entlehnt ist.

Die Zadruga zeigt in ihrer Verfassung schon eine Fortentwicklung über den Begriff der Familie in germanischen und romanischen Ländern hinaus, da sie eine Vereinigung mehrerer verheirateter Familienglieder unter einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt, welche gemeinsamen Haushalt, meist mit Ueberlassung der Hauswirthschaft an die nach gewisser Reihenfolge sich ablösenden Frauen, führt. Freilich bleibt da noch Antheil des Einzelnen am Stammvermögen und Erbrecht aufrechterhalten. Es liegt der Einrichtung aber ein wesentlich wirthschaftlicher Gedanke zu Grunde und ist die Aufnahme Fremder in die Hauscommunion statthaft. Wo das System der Zadruga in Bosnien und der Herzegowina verbreitet ist, müsste man von jeder Expropriation auf lange hinaus absehen und die Aufmerksamkeit darauf richten, den freien Beitritt zu erlangen, was Anlass zur Begründung einer Art von Patriciat geben würde, welches auch durch Einkauf und Verleihung erworben werden könnte und gewisse Vorrechte in sich schliessen würde.

Es würden nämlich ohne Zweifel jüngere Glieder der Familien, vom Neuen angelockt, im gesellschaftlichen Gebiete vorübergehend Dienste nehmen und in die Hauscommunion zurückgekehrt, für den Anschluss Propaganda machen. Die Expropriation würde sich daher auf den Grossgrundbesitz der Mahomedaner beschränken und auf politisch sehr gefährliche Elemente, welche keinen Anhang im Lande haben. Die Ausdehnung des gesellschaftlichen Territoriums würde mit der Zeit auch durch das System der Confiscation gefördert werden können, welches besonders bei Aufstand oder staatsgefährlichen Umtrieben andere, grausame und doch unwirksame, Strafen zu ersetzen hätte.