Der Beitritt von Hauscommunionen würde mittelst Verträgen erfolgen, welche nur allgemein geltende grundsätzliche Bestimmungen enthielten, deren Natur erst festgestellt werden könnte, nachdem genügende Erfahrungen gemacht worden.
Politisch ist die vorgeschlagene Massregel für den Fernerblickenden gewiss von unleugbarem Nutzen. Es ist nicht nur auf keine Weise der Regierungszweck, nämlich die Förderung des Volkswohles, besser und schneller zu erreichen, sondern im Falle des Gelingens des Unternehmens hätte Oesterreich die mit der Uebernahme des europäischen Mandats verbundene Aufgabe in ehrenvoller Weise gelöst und seinen Beruf documentirt, auf der Balkanhalbinsel weitere Erwerbungen zu machen.
Ja, nachdem höchst wahrscheinlich die rasche Ausdehnung der gesellschaftlichen Besitzungen durch Freihandankauf eine natürliche Folge des wirthschaftlichen Uebergewichtes sein wird, welches die Gesellschaft bald erlangen muss, braucht man nur darauf zu dringen, dass die Gesellschaft als Industrie- und Handelsgesellschaft in der Türkei und den anderen Balkanstaaten zum Geschäftsbetriebe, selbstverständlich ohne irgend welche Privilegien, zugelassen wird, um indirect auch auf solche Gebiete die Hand zu legen, die der österreichischen Verwaltung noch nicht unterstehen.
Es ist die grosse civilisatorische Aufgabe ins Auge zu fassen, welche die Geschichte Oesterreich gestellt zu haben scheint.
Wie einerseits der Stern Oesterreichs kurze Zeit zu erbleichen schien und in den letzten Jahren doch auf's Neue zu Tage tritt, welch' wichtige Stelle Oesterreich im europäischen Staatencomplexe einnimmt, haben andererseits nur kurze Zeit Ideen und volkswirthschaftliche Theorien regiert, mit welchen sich Oesterreich nur schwer abfinden konnte. Es sind das der wirthschaftliche und politische Liberalismus und das Nationalitäten-Princip. Diese Principien haben in überraschend kurzer Zeit abgewirthschaftet und der Staatskunst stehen Aufgaben bevor, in welchen gerade nur Oesterreich eine leitende Rolle zu übernehmen berufen ist. Der Freihandel hat Bankerott gemacht, der Industrialismus droht England zu ruiniren und man kommt allgemach zur Erkenntniss, dass die Nationalökonomie viel mehr auf Grund und Boden einerseits und auf tüchtiges Menschenmaterial andererseits, als auf Freihandel und übertriebenen Industrialismus zu fundiren ist.
Dadurch gelangen Agrarstaaten zu höherer Bedeutung. Die Industrie als Mittel, die Nachbarvölker auszubeuten, kann als allgemeiner wirthschaftlicher Factor offenbar nicht gedacht werden, denn wo Alles ausbeutet, kann doch nur eine Paralisirung der Bestrebungen Aller sich ergeben.
Aus diesem Grunde lässt sich England nicht copiren und von der schrankenlosen industriellen Production kein Heil erwarten.
Dagegen ist die staatlich geschützte und organisirte Industrie, welche sich nicht die Aufgabe stellt, Reichthümer aus den Nachbarstaaten zu ziehen, sondern dem Volke durch eigene Arbeit die Bedingungen höherer materieller und geistiger Wohlfahrt zu schaffen und nur das zu exportiren, was zum Austausch für nothwendige Güter erforderlich ist, die im Inlande nicht oder nicht mit Vortheil beschafft werden können, allerdings ein wirthschaftlich wichtiger Factor; diese Industrie ist aber bei gehörigem Schutze immer und überall binnen Kurzem zu schaffen, wo jungfräulicher Boden und gesunde Bewohner, von einer starken aber wohlwollenden Regierung geleitet, vorhanden sind.
Ebenso haben aber die constitutionellen Einrichtungen und der politische Liberalismus Bankerott gemacht. Man ist zur Ueberzeugung gekommen, dass die Parlamente nur dem Parteikampfe und den Sonderinteressen gewisser Classen dienen, dass sie niemals den Charakter einer eigentlichen Volksvertretung haben und dass die constitutionellen Regierungen alle Hände voll zu thun haben, um das Volk und das Staatsinteresse gegen die Vertretungskörper in Schutz zu nehmen. Die weitaussehenden Pläne der Politik, welcher doch Alles unterzuordnen ist, gestatten ihrer Natur nach ohnehin keine Verhandlung mit den Parlamenten. Es ist also das parlamentarische Regime nichts als ein Hemmschuh für alles Heilsame und eine Gefahr für die wahren Staatsinteressen.
Das Nationalitätenprincip ist ebensowenig mit dem österreichischen Staatsinteresse verträglich, wie der Industrialismus und das constitutionelle Princip und auch der Nationalitätenschwindel hat sich schon ausgelebt, da die Arbeiterverbindungen, welche als politische Factoren aufzutreten beginnen, sich international constituiren und da andererseits die staatenbildende Kraft des Nationalitätenprincips erschöpft, die geschichtliche und culturelle Aufgabe dieses Princips gelöst ist und grössere staatliche Veränderungen unter dem Drucke dieses treibenden Elementes nicht mehr zu erwarten sind. Da ist es nun klar, dass Oesterreich bestimmt ist, eine führende Rolle in der politischen und wirthschaftlichen Entwicklung Europas zu nehmen.