»Nä,« rief Arne trotzig. Der hatte gar keine Lust, mit dem Fremden unten auf der Landstraße zu stehen. Auch Fritze Schwetzer verspürte dazu keine Neigung, aber ihn konnte der junge Mann leicht herunterholen. Das war bedenklich, und er überlegte, es wäre eigentlich ganz ratsam, dem fremden Mann einfach über den Kopf weg zu springen. Auf diese Weise entging er aller Fragerei. Gedacht, getan. Ehe Herr Heinrich Fries noch wußte, wie und was, sauste Fritze vom Baum herunter; aber hatte vorher sein Apfel des jungen Lehrers Hut mitgenommen, so nahm der Bube gleich diesen selbst. Pardauz lagen beide auf der Straße, Fritze überschlug sich zweimal, sprang auf und raste hinweg.

Aus dem Graben schauten drei lachende kleine Mädel heraus, und oben auf dem Baume kreischte Arne laut vor Vergnügen. Sein Jubel fand ein Echo. Plötzlich lachte, schrie und kicherte es die ganze Apfelstraße entlang. Den Buben und Mädeln schien die Purzelei des Fremden ein lustiger Spaß zu sein, dieser selbst freilich fand es gar nicht lustig, der war sehr verdrießlich. Er suchte mißmutig seine Sachen zusammen, die zerstreut am Boden lagen, und dachte dabei: »Das ist ja ein netter Anfang! Wenn das so weiter geht, wird es mir schwerlich gut in Steinach gefallen.«

Die Schelme von Steinach. Seite 22.

Unschlüssig stand er eine Weile da und sah die lange Straße hinab. Kerzengerade lief sie bis zum Dorfe hin; an ihrem Ende ragte fein und schlank der Kirchturm in die Luft. Der junge Lehrer sah aber nicht allein das Dorf im Hintergrunde, er sah auch da und dort Bubenbeine von den Bäumen herabhängen, und kleine kecke Mädelnasen streckten sich aus dem Graben heraus. Recht seltsame Früchte waren das. Wie er noch so stand und sich seine zukünftigen Schulkinder betrachtete, tönte von unten herauf der Ruf: »Besenmüller, Besenmüller kommt!«

Ritsch, ratsch verschwanden die Beine, wie reife Äpfel plumpsten die Buben von den Bäumen, aus dem Graben kamen die Mädel heraus, und heidi ging es nach rechts und nach links über die Stoppelfelder hinweg. Im Umsehen lag die Apfelstraße verlassen da, nur eine auffallend große Frau schritt dem jungen Lehrer entgegen.

In der Mitte der Straße trafen sich beide. Die Frau musterte rasch den Fremden, dann sagte sie: »Ich bin die Besenmüllern, Herr Lehrer!«

»Ja, kennen Sie mich denn?«

»Nu freilich, sonst kommt doch ’n Fremder nich her um die Zeit. Und Pflaumenkuchen hab’ ich schon gebacken, und unser alter Herr Lehrer erwartet Sie. Und mein Mann sitzt unten auf der Pflaumenstraße, und ich dachte gleich, de Kinner sin hier. Besenmüller is zu gut, viel zu gut, Herr Lehrer, so gut is keiner wie der. Er müßte strenger sein gegen die Kinner. Gelle, das meinen Sie auch?«

»Hm,« sagte der junge Lehrer nur. Er kannte weder Besenmüller noch seine Frau, er wußte nichts von deren Güte oder Strenge. »Ich will nun gehen,« murmelte er.